IG Metall fordert Unterstützung für kriselnde Autoindustrie - Kritik auch an Konzernen
Die IG Metall hat an ihrem Automobil-Aktionstag neben Forderungen an die Unternehmen auch die Politik in die Pflicht genommen.
Die Gewerkschaft kritisierte am Montag „mangelhafte industriepolitische Rahmenbedingungen“ für die Autohersteller auf deutscher und europäischer Ebene.
IG-Metall-Chefin Christiane Benner forderte bei einem Auftritt am Stammwerk von Volkswagen in Wolfsburg einen besseren Schutz vor unfairem Wettbewerb aus China und eine wirksamere Subventionspolitik der EU.
Bei einer Kundgebung in Hannover, wo das Volkswagenwerk von der Schließung bedroht ist, bekräftigte Benner auch den Widerstand der Arbeitnehmervertreter gegen die Sparpläne des Konzerns. „Hannover ohne VW ist wie ein Sommer ohne Sonne“, sagte sie.
Die IG Metall werde für den Erhalt des Werks kämpfen.
Der Konzernvorstand müsse zudem „endlich“ seine „Hausaufgaben“ machen.
VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Daniela Cavallo forderte in Wolfsburg Ausgleichszölle der EU auf chinesische Hybridautos. „Diese Lücke muss endlich geschlossen werden.“ Nötig sei auch „eine EU-weite Subventionspolitik, die den Namen auch verdient“ - „bei uns gibt es höchstens ein Almosen“.
In Deutschland müsse zudem „endlich“ der Industriestrompreis sinken.
Gewerkschaftschefin Benner kritisierte außerdem, dass die Arbeitgeber an Mitbestimmungsrechten und der 35-Stunden-Woche sägten. „Da können wir nur sagen: Finger weg!“ Sie forderte stattdessen: „Investitionen statt Dividenden!“ Im Unternehmen sparen sei möglich, fuhr sie fort: „bei Vorstand, Produktdschungel und Bürokratie.“ Cavallo sagte, in harten Zeiten müssten alle Seiten bereit sein, zu verzichten und zurückzustecken, auch die Aktionärinnen und Aktionäre von Volkswagen . „Dazu gehört, dass so viel Geld wie möglich im Unternehmen bleibt, um die teure Transformation zu finanzieren.“ Dafür brauche es auch eine Änderung der Steuerpolitik, damit künftig beim Verzicht auf Teile der Dividende keine Steuer anfällt.
Die IG Metall hatte bundesweit hunderttausende Arbeitnehmer zu Protesten bei Herstellern und Zulieferern der Autoindustrie aufgerufen.
Der Automobil-Aktionstag soll laut Gewerkschaft „ein Zeichen für sichere Arbeitsplätze, zukunftsfähige Standorte und eine starke industrielle Basis“ setzen.
Geplant waren demnach Aktionen in über 100 IG- Metall -Geschäftsstellen.
Die deutsche Autoindustrie steckt wegen der Konkurrenz in und aus China, US-Zöllen und niedrigen Gewinnmargen bei E-Autos in der Krise.
Die Chefin des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, forderte vor diesem Hintergrund mehr Veränderungsbereitschaft der Arbeitnehmer.
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