„Ich konnte kaum noch einen Schläger halten“ - Drama um deutsche Tennisspielerin
Carina Witthöft (31) galt als riesiges Tennis -Talent. 2018 war sie die Nr. 48 der Welt. Trotzdem beendete sie ein Jahr später mit 23 Jahren ihre Karriere. Grund: Der Druck, der sie mental fertig gemacht hat.
BILD: Sie haben im Januar 2019 in der Qualifikation für die Australian Open Ihr letztes Match als Profi bestritten. Was machen Sie heute?
CARINA WITTHÖFT (31) : Ich bin Mutter von zwei Kindern, das ist im Grunde schon ein Fulltime-Job. Ich versuche, ein bisschen zurück ins Tennis zu kommen und den Leuten zu erklären, wie der Zirkus wirklich läuft.
Ich möchte Tennis-Insiderwissen vermitteln. Zu ein paar Turnieren reisen, hinter die Kulissen blicken. Also: Wenn man das als Influencen bezeichnen möchte, dann ja. Aber wenn die Kinder mal größer sind, würde ich gern auf der Tennisanlage meiner Eltern einsteigen.
Sie waren die Nr. 48 der Welt, haben dann mit 23 aufgehört. Haben Sie Ihr frühes Karriereende je bereut?
Nein, nie! So, wie die Umstände waren, war das einfach der richtige Weg und ich habe zu dem Zeitpunkt gar keinen anderen Ausweg gesehen. Ich war mental so angeschlagen, dass ich gar nicht hätte weiterspielen können. Es ging nicht. Ich hatte eine kleine Verletzung nach der anderen. Mein Körper hat mir glasklare Zeichen gegeben, dass Leistungssport nicht das ist, was gerade für mich das Beste ist.
Ich hatte in Australien den übelsten Hexenschuss einen Tag vorm Match und musste dann aufgeben. Dann hatte ich ganz viel mit dem Knie zu tun, mit der Patellasehne war es ganz akut. Als ich dann nach Hause kam und wusste, in der nächsten Woche steht kein Turnier an, hat sich das total beruhigt. Da wurde mir klar: Das ist so eine Kopfsache. Dieser krasse Druck hat sich gefühlt immer mehr aufgestaut, bis ich am Ende kaum noch einen Schläger halten konnte.
Den habe ich mir am Ende wahrscheinlich hauptsächlich selber gemacht. Ich hatte regelrecht Ängste auf dem Platz. Vorm Verlieren, dass ich nicht gut genug bin. Ich stellte mir die Frage auch: Vor was? Es kann ja nichts passieren. Das Schlimmste wäre, dass man 0:6, 0:6 verliert. Aber für mich war es, als würde es um Leben und Tod gehen. Es war wirklich richtig schlimm, sodass ich einfach nicht mehr spielen wollte. Sonst hätte ich nicht aufgehört. Unter diesen Umständen war das also der einzige richtige Weg für mich. Deswegen kann ich gar nicht von Bereuen sprechen, weil ich gar keine andere Wahl hatte.
Ich habe ganz schlecht geschlafen. Es war eine dauerhafte Anspannung. Als wenn du eine Prüfung in der Schule hast, vor der du Schiss hast. Erst, wenn es geschafft ist, bist du entspannt. Aber Schule ist zu lächerlich als Vergleich. Das hier war viel größer.
Ja, ich hätte viel mehr auf meine Mutter hören sollen, weil sie immer gesehen hat, was für mich gut ist. Ich habe mich viel zu viel von außen beeinflussen lassen. Mir wurde nahegelegt, ein richtig professionelles Team aufzubauen mit Trainer und Hittingpartner, aber das war einfach für mich nicht das Richtige. Mit 18, 19, 20, 21 hat man jedoch nicht diese Stärke zu sagen: „Ey, ich scheiß auf das, was ihr da alle sagt.“
Sie haben nach dem Ende ihrer Profikarriere mit Ihrer Schwester Jenny noch Bundesliga gespielt.
5News hat diese Zusammenfassung aus dem öffentlichen Feed der Quelle übernommen. Der vollständige Artikel mit allen Details steht auf www.bild.de — der Inhalt gehört Bild.