Kanzler im Umfrage-Tief: "Die schlechten Werte muss Merz sich schon selbst zuschreiben"
Die Umfragewerte des Bundeskanzlers sind auf einem historischen Tiefstand. Kann ein Regierungschef in diesen Zeiten überhaupt beliebt sein? Die kontrollierte Masochismus-Strategie könnte eine Lösung sein, sagt Politikberater Johannes Hillje.
ntv.de: Herr Hillje, ob AfD-Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt, Demografie oder lahmende Wirtschaft, für alles gibt es vielfältige Gründe. Man kann aber den Eindruck bekommen, dass an allem Friedrich Merz schuld ist. Wenn das so ist, liegt die Lösung nahe: Kanzler austauschen und alle Probleme lösen sich in Luft auf?
Johannes Hillje: So einfach ist es nicht. Ein Kanzlerwechsel würde kein politisches Problem lösen. Es würde nur die Chance eröffnen, die atmosphärische Störung zwischen Kanzler und Volk zu beheben. Eine andere Person hat ein eigenes Image, eine eigene Persönlichkeit und wird von den Menschen anders wahrgenommen. Friedrich Merz hat ein sehr festgefahrenes negatives Image, das nur schwer zu korrigieren sein wird.
Es kann subjektiv gute Gründe geben, Friedrich Merz politisch zu kritisieren, objektiv werden die meisten zustimmen, dass er sich zu häufig mindestens ungeschickt äußert. Wie viel von seinen historisch schlechten Zustimmungswerten hat er selbst verschuldet, wie viel ist er schlicht Sündenbock?
Die schlechten Werte muss er sich schon selbst zuschreiben. Einer der wichtigsten Gründe für die Unzufriedenheit sind gebrochene Wahlversprechen, dazu kommen die unbedachten Äußerungen und Ankündigungen, die er nicht einhält. Wir haben es hier mit Schwächen in der Performance des Kanzlers zu tun. Trotzdem kann man sie natürlich nicht loslösen von einem politischen Kontext, der durch geopolitische Krisen geprägt ist - zuletzt der gestiegene Ölpreis durch den Angriff der USA auf den Iran. Das ist nichts, wofür man den Kanzler verantwortlich machen kann. Aber jede Krise, die von außen kommt, ist für einen Kanzler auch eine Chance.
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