Friedhofsgärtner-Chef findet es gut - Darf ich jetzt Pilze auf dem Friedhof sammeln?
Deutschlands Friedhöfe sind im Wandel. Früher waren sie nur letzte Ruhestätten, heute entstehen sogar Cafés oder Kinderspielplätze. Die Gedenkorte sind offenbar auch für Pilzsammler interessant. Deutschlands oberster Friedhofsgärtner befürwortet das Sammeln. Aber darf ich zwischen Gräbern auf die Suche nach Maronen, Rotkappen oder Steinpilzen gehen? Die Lage auf den 32 000 Friedhöfen in Deutschland ist kompliziert. BILD klärt auf.
Michael Ballenberger (59), Verbandspräsident der Gesellschaft Deutscher Friedhofsgärtner, sagt zu BILD: „Ein Friedhof ist auch ein Ort für die Lebenden. Heute gehen die Besucher in den Anlagen joggen, halten ein Kaffeekränzchen oder sammeln dort, wo keine Gräber mehr belegt werden, ihre Speisepilze . Wir brauchen weniger Verbote. Trauernde dürfen nicht gestört werden, aber das ist doch eine Selbstverständlichkeit.“
Der Haken: Über Pilzesammeln entscheidet nicht der Friedhofsgärtner, sondern der jeweilige Verwalter. Und da gibt es sehr unterschiedliche Regeln. Ein paar Beispiele aus dem Pilz-Flickenteppich:
Hamburg: Auf den staatlichen Friedhöfen, darunter der weltberühmte Ohlsdorfer Friedhof, Pflanzen zu entnehmen, ist ausdrücklich verboten. Und dazu gehören auch Pilze .
Berlin: In der Friedhofsordnung der landeseigenen Friedhöfe ist festgelegt, dass Pflanzen ohne vorherige Benachrichtigung der Friedhofsverwaltung nicht mitgenommen werden dürfen.
Köln: In der aktuellen Friedhofssatzung der Stadt gibt es kein ausdrückliches Verbot, Pilze oder Pflanzen zu sammeln.
Frankfurt: Hier heißt es, Friedhöfe seien zugängliche Grünflächen, „die der Verbesserung der Stadtökologie sowie der Ruhe und Naherholung der Bevölkerung dienen“. Ein Pilzverbot ist nicht erwähnt.
Dresden : „Dass ein Friedhofsbesucher mal ein paar Pilze mitnimmt, dürfte die absolute Ausnahme sein“, so ein Stadt-Sprecher.
München : „Die Stadt hat 29 städtische Friedhöfe, von denen die meisten unter Natur- und Denkmalschutz stehen. Was für Blumen und andere Pflanzen gilt, gilt deshalb auch für Pilze: Anschauen gerne, sammeln nein“, sagt Heino Jahn, 2. Werkleiter Friedhöfe und Bestattung München.
Gelsenkirchen: Dort wird vor allem ein würdevolles Verhalten auf dem Friedhof verlangt. Ein ausdrückliches Sammelverbot für Pilze ist in der Satzung nicht zu finden.
Heißt das nun automatisch: Wo Pflanzenmitnahme nicht verboten ist, darf gesammelt werden? Dr. Michael C. Albrecht vom Verband der Friedhofsverwalter zu BILD: „Ja, so kann man es sehen. Nur Grabstätten sind tabu, weil sie rein rechtlich Privatgrund sind.“
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