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Reisners Blick auf die Front: "Im Moment stehen alle Zeichen auf Sturm"

n-tv ·
Reisners Blick auf die Front: "Im Moment stehen alle Zeichen auf Sturm"

13 Stunden Luftalarm in Kiew und kaum Abwehrmöglichkeit gegen den neuen russischen Drohnentyp. Könnte man aber die Startrampen angreifen? Oberst Reisner erklärt ntv.de, wie sich die Ukrainer wehren könnten.

ntv.de: Herr Reisner, vor zwei Wochen haben Sie erläutert, wie die Russen ihre Drohnenproduktion von Geran 2 und 3 auf die neuen Typen Geran 4 und 5 umstellen, die bis zu 600 Kilometer pro Stunde schnell fliegen. Wird in Kiew nun sichtbar, was dieser technische Entwicklungsschritt für den Krieg bedeutet?

Markus Reisner: Russland überzieht die Ukraine mittlerweile mit heftigen Angriffen und nutzt dafür vielfach schon den neuen Typ Drohnen, also Geran 4 und Geran 5, die für die ukrainische Armee sehr schwer abzufangen sind. Es ist der Versuch, die Moral der Ukrainer zu brechen, indem die Russen mit Drohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen auf die kritische Infrastruktur einschlagen, in erster Linie auf die Stromversorgung. Es trifft aber mittlerweile auch die Versorgung mit Lebensmitteln, wenn Verteilzentren für Nahrungsmittel zerstört werden.

Kiew kam am Wochenende auf 11 bis 13 Stunden Fliegeralarm pro Tag. Was kann die Antwort sein?

Die herkömmlichen Geran 2, wegen ihres Motorengeräuschs auch "das fliegende Moped" genannt, erreichten in der Spitze 330 Kilometer pro Stunde und waren relativ einfach abzuschießen. Die Ukrainer haben sich in den vergangenen Jahren gut auf Angriffswellen dieses Typs vorbereitet und fingen 80 bis 90 Prozent der Flugkörper ab. Das gelang auf unterschiedlichste Weise: mit Abfangdrohnen, mit mobilen Flugabwehrstellungen aus Pickups, auf die ein Maschinengewehr montiert war, mit alten Propellermaschinen, in denen als Copilot ein MG-Schütze agierte und auch mit dem deutschen Flakpanzer Gepard. Der hat sich als Geran-Killer herausgestellt. Die neuen, wesentlich schnelleren Geran-Typen sind aber sehr schwer abzufangen. Die müsste man eigentlich mit Flugabwehrraketen mittlerer Reichweite abwehren.

Mit der Einführung ihrer Abfangdrohnen gegen Geran 2 hat die Ukraine in kürzester Zeit unglaubliche Ergebnisse erzielt. Das war spektakulär. Nun kann die Armee aber gegen die Entwicklung neuer russischer Drohnen- und Raktentypen nicht entsprechend schnell nachziehen. Hinzu kommt, dass es für das Patriot-Fliegerabwehrsystem kaum noch Munition gibt. Das ist das Ergebnis des Abnutzungskrieges, mit dem Moskau den Gegner ermatten will. Russland hat stetig Qualität und Quantität in der Luftkriegsführung ausgebaut. Nun steht der Ukraine ein sehr schwieriger Winter bevor.

CIA-Chef John Ratcliffe war vergangene Woche überraschend in Moskau. Nun heißt es, er habe sich um ein Treffen zwischen Trump, Putin und Selenskyj bemüht. Halten Sie das für realistisch?

Im Moment sind die Signale aus Russland auf Krawall gebürstet. Das sehen wir an der Front und auch mit Blick auf die Führung dieses Luftkriegs. Vier Tage lang haben wir jetzt durchgehend schwerste Attacken gesehen, und es gibt Informationen, die auf einen bevorstehenden russischen Bodenangriff aus dem Norden hindeuten. Zurzeit sehe ich keine Kompromissbereitschaft Russlands.

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