Angriff auf Zug: Der Kreml eskaliert den Konflikt
Nichts an dem russischen Angriff auf einen ukrainischen Zug am Wochenende dürfte Zufall gewesen sein: nicht die unmittelbare Nähe zur Grenze und auch nicht die Nähe zu einem anderen Zug, in dem ranghohe westliche Diplomaten und zahlreiche Journalisten saßen. Es ist erst zwei Wochen her, da hat Dmitrij Medwedjew, Wladimir Putins Beauftragter für Grobheiten, europäischen Staatsmännern mit Attacken auf die Züge gedroht, mit denen sie nach Kiew reisen.
Der rege diplomatische Reiseverkehr nach Kiew ist dem russischen Regime ein Dorn im Auge, weil er Ausdruck der ungebrochenen Unterstützung für die Ukraine ist. Die versucht der Kreml, mit allen Mitteln zu unterminieren, auch mit Terroranschlägen in der EU – siehe die Sprengstoffdrohne in Leipzig. Würden künftig wegen Sicherheitsbedenken weniger westliche Parlamentarier und Regierungsmitglieder in die Ukraine reisen, wäre das für Kiew ein empfindlicher Schlag.
Russland schreckt offenbar immer weniger vor Angriffen auf westliche Ziele zurück. Anders ist die Attacke so nahe an einem polnischen Grenzübergang nicht zu verstehen. Schon der Einschlag eines russischen Marschflugkörpers auf einem Acker im Osten Polens Ende Juli war ein Warnschuss. Die polnische Regierung ist aus guten Gründen alarmiert. Wie würde die NATO reagieren, wenn bei einem solchen Angriff Grenzanlagen eines Mitgliedstaates beschädigt oder gar Grenzbeamte verletzt oder getötet würden?
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