Koch isst jeden Morgen zwei Eier, Toast und Kaffee: Wer immer das Gleiche frühstückt, spart sich Entscheidungen
Viele Menschen beginnen den Tag seit Jahren mit dem gleichen Frühstück. Das hat auch Autor und Koch Daniel Moran beobachtet. Wie er in einem Beitrag für „ Scandinavia Standard “ schreibt, habe ein Kollege vier Jahre lang jeden Morgen zwei gekochte Eier und Toast gegessen sowie schwarzen Kaffee getrunken, obwohl ihm in der Restaurantküche nahezu jede Alternative offen stand.
Auch Moran selbst räumt ein: „Wenn ich über das Frühstück nachdenken müsste, hätte ich bereits eine Stunde des Tages verloren.“ Seine eigene Lösung besteht inzwischen ebenso aus Kaffee und zwei Eiern.
Was schnell nach Bequemlichkeit klingt, kann psychologisch sinnvoll sein. Ein festes Frühstück nimmt dem Morgen Entscheidungen ab und gibt ihm einen verlässlichen Ablauf. Mit der Psychologie des Frühstücks hat sich auch Moran in seinem Beitrag beschäftigt.
Dass die Gewohnheit, jeden Tag das gleiche Frühstück zu essen, zu einem größeren psychologischen Muster passt, zeigte auch die US-amerikanische Psychologin Wendy Wood. Ihrzufolge laufen rund 43 Prozent unserer täglichen Handlungen immer wieder unter ähnlichen Bedingungen ab, während unsere Aufmerksamkeit längst bei anderen Dingen liegt.
Das betrifft auch das Essen. Wer morgens erst überlegen muss, was im Kühlschrank liegt, worauf er Appetit hat und was zur eigenen Ernährung passt, trifft schon kurz nach dem Aufstehen mehrere kleine Entscheidungen.
Ein bekanntes Frühstück nimmt diese Auswahl aus dem Tagesbeginn. Wood argumentiert zudem, dass Menschen mit guter Selbstkontrolle ihren Alltag häufig so organisieren, dass sie möglichst wenig Willenskraft aufbringen müssen. Gute Gewohnheiten verringern Reibung, statt jeden Tag neue Disziplin zu verlangen.
Auch sogenannte soziale Rhythmen verraten etwas über unsere Gewohnheiten. Zu diesem Begriff gehören etwa wiederkehrende Zeiten für Schlaf, Mahlzeiten und soziale Aktivitäten. Regelmäßigere Tagesabläufe wurden in Studien mit weniger Symptomen von Depression und Angst in Verbindung gebracht.
Eine neuere Untersuchung der University of Missouri kam bei älteren Erwachsenen zu einem ähnlichen Ergebnis: Teilnehmer mit verlässlicheren Routinen berichteten über weniger depressive Beschwerden und weniger körperliche Schmerzen, selbst wenn sie unter Schlafproblemen litten.
Daraus folgt allerdings nicht, dass ein täglich identisches Frühstück Depressionen verhindern könnte. Die Arbeiten betreffen den gesamten Tagesrhythmus und beschreiben Zusammenhänge zwischen Regelmäßigkeit und Wohlbefinden. Das Frühstück kann innerhalb eines solchen Rhythmus lediglich einen festen Anker bilden. Besonders morgens fehlt häufig noch die äußere Struktur, die später durch Arbeitsbeginn, Termine oder Verabredungen entsteht.
Auch beim Geschmack muss Routine nicht automatisch Langeweile bedeuten. „Ein Ritual zieht die Aufmerksamkeit auf das, was vor einem liegt“, erklärt Moran. Der bekannte Ablauf kann die Aufmerksamkeit stärker auf die Mahlzeit richten, statt ihren Reiz zwangsläufig zu mindern. Ein vertrautes Frühstück muss deshalb nicht weniger Genuss bieten als eine ständig wechselnde Auswahl.
Für eine dauerhafte Frühstücksgewohnheit empfiehlt Moran vor allem unkomplizierte Mahlzeiten .
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