Natalie lachte immerzu „wie in schlechtem Psychofilm“
Natalie brauchte gar nicht fröhlich sein – sie lachte trotzdem viel. Nicht, weil etwas Lustiges passiert war oder dem damals 7-jährigen Mädchen ein witziger Gedanke gekommen war. Das Kind konnte einfach nicht anders. Es lachte einfach vor sich hin. Ohne Freude, ohne Ende.
„Sie konnte es nicht mehr steuern. Es war wie in einem schlechten Psycho-Film in einem Irrenhaus“, erzählt ihr Vater André Glöckner im Gespräch mit FOCUS online.
Ein schlechter Film. Vollkommen surreal. So fühlte es sich für den zweifachen Vater an, als er wenige Monate später, im Oktober 2025, auf dem Rückweg aus dem Familienurlaub in Österreich den Grund für das ständige Lachen erfuhr.
Ein Arzt einer Brandenburger Klinik, der Natalie nach langer Odyssee eingehend untersucht hatte, meldete sich telefonisch bei der Chemnitzer Familie. Er habe Ergebnisse. „Wir waren alle im Auto und hörten mit, dass unsere Tochter an der Niemann-Pick-Typ-C-Erkrankung leidet.“ Eine unheilbare Stoffwechselstörung, die auch als „Kinderdemenz“ bekannt ist. Nur 200 Betroffene gibt es in Deutschland. Sie werden kaum mehr als 30 Jahre alt.
Die Familie erstarrte. Glöckner erinnerte sich an die um sich greifende Angst. „Als hätte man einen Kloß verschluckt“, sagt er. „Als hätte man jemanden verloren.“
ist eine häufig übersehene, neurodegenerative Erkrankung, die im (Klein-) Kindesalter, in der Pubertät oder im Erwachsenenalter auftreten kann. So erklärt es die Niemann-Pick-Selbsthilfegruppe .
Eine Anhäufung von Lipiden und anderen Fettstoffzellen in den Körperzellen und im Gehirn führt zu folgenden Symptomatiken:
Verwaschene Sprache (Dysphasie), Gangunsicherheit, Ungeschicklichkeit, Gangprobleme (Ataxie), Krampfanfälle, Tremor, Bewegungsstörungen, Problematik der Körperspannung (Dystonie) – plötzlicher Verlust des Muskeltonus, Sturzanfälle (Kataplexie) und Schluckprobleme (Dysphagie).
Morbus Niemann-Pick ist eine sehr seltene, autosomal-rezessive Erberkrankung. Das heißt, sie muss von beiden Elternteilen vererbt werden.
Durch die Vielfältigkeit der Symptome und die Seltenheit entsteht oft ein sehr langer Diagnoseweg. Zudem gibt es für keine Form der Erkrankung eine Therapie.
Das unkontrollierbare Lachen – es war nur ein Teil in dem Puzzle, das sich seit Natalies viertem Lebensjahr langsam vervollständigte.
Natalies Auffälligkeiten stellen ihre Eltern vor ein Rätsel. Warum verhält sich das Mädchen, das als gesundes Baby zur Welt kam, so merkwürdig? Die Ärzte haben keine eindeutige Antwort – oder winken ab. „Das wird schon. Sie ist ja normal“, sagt ein Neuropädiater.
Natalie zeigt neben ihren Herausforderungen auch Stärken, besonders im Bereich Allgemeinbildung und Sprache. Durch die tschechische Herkunft ihrer Mutter wächst sie bilingual auf.
Im Spätsommer 2024 kommt das Mädchen zunächst in eine Regelschule. Doch schon wenige Wochen später kann es mit dem Lerntempo nicht mehr mithalten. Ein schulisches Gutachten stellt schließlich eine Intelligenzminderung fest. Im Mai 2025 wird beschlossen, dass Natalie ab der zweiten Klasse eine Förderschule besuchen wird.
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