Vincent Keymer - Jetzt spricht unser größtes Schach-Genie (21)
Wien – Mit 14 Jahren wurde Vincent Keymer zum jüngsten deutschen Schach-Großmeister aller Zeiten. Mittlerweile ist er 21 und hat 2776 Elo-Punkte – ist damit die Nummer 5 der Welt im Standard- Schach . Für BILD nahm sich Keymer in seiner Wahlheimat Wien Zeit zum Gespräch. Er spricht über die bevorstehende Olympiade, Preisgelder und Essen während der Partien.
BILD: Herr Keymer, Sie sind jetzt 21, wurden mit 14 Jahren der jüngste deutsche Großmeister aller Zeiten. Nervt es Sie eigentlich, dass Sie immer noch als die große deutsche Schach-Hoffnung betitelt werden?
VINCENT KEYMER (21): Nein, eher im Gegenteil. Den größten Druck mache ich mir selbst. Und natürlich freut es mich, das deutsche Schach mit voranzubringen.
Am Dienstag startet die Schacholympiade in Usbekistan. Mit welchem Ziel reist das Team an?
Wir wollen um eine Medaille spielen. Die Konkurrenz ist extrem eng, deshalb wäre auch ein Platz unter den Top Ten ein starkes Ergebnis.
Ja, aber nur bedingt. Das Team profitiert davon, wenn jeder Einzelne gut spielt. Gleichzeitig muss man den Teamgedanken etwas stärker berücksichtigen.
Sie spielen inzwischen um sechsstellige Preisgelder. Wie geht man damit um?
Man muss lernen, das auszublenden. Wenn ich während einer Partie ständig an das Preisgeld denken würde, wäre das nicht hilfreich. Mein Motto lautet: „You win some, you lose some.“
Wenn Sie mal 24 Stunden nicht an Schach denken wollen, was machen Sie, um abzuschalten?
Das ist selten. Seit ich denken kann, war Schach mein Lebensmittelpunkt. Richtigen Urlaub habe ich seit Jahren nicht mehr gemacht, weil mein Kalender sehr voll ist. Ich bin ungefähr zwei Drittel des Jahres unterwegs. Wenn ich von einem Turnier nach Hause komme, will ich nicht direkt wieder verreisen. Rennradfahren hilft mir, den Kopf freizubekommen. Und manchmal hilft es auch einfach, den Laptop wegzulegen.
Ja. Online-Partien, Eröffnungsvorbereitung und vieles andere laufen am Laptop. Manchmal kombiniere ich das aber mit dem Brett.
Das weiß ich nicht. Man muss auf seine eigene Art speziell sein. Entscheidend sind Talent, Disziplin und viel Arbeit. Ich vermute schon, dass die Top-Großmeister überdurchschnittlich intelligent sind. Wie stark der Zusammenhang ist, müsste man untersuchen.
Können Sie sich erinnern, wann Sie gemerkt haben, dass Sie besser sind als andere?
Als Kind habe ich darauf kaum geachtet. Ich habe früh erste Meisterschaften gewonnen, aber meine Entwicklung verlief nicht geradlinig. Im Vergleich zu vielen Spielern meines Jahrgangs bin ich eher spät an die Weltspitze gekommen.
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