Einstige Hochburg wackelt: In Niedersachsen kassiert die SPD eine stille Klatsche
Die Kommunalwahl in Niedersachsen bringt auf den ersten Blick keine großen Veränderungen im Parteigefüge, auch wenn die AfD wie überall in Deutschland hinzugewinnt. Vor allem die SPD hat nach diesem Wahltag dennoch allen Grund zur Sorge.
Außerhalb Niedersachsens standen die diesjährigen Kommunalwahlen in der öffentlichen Wahrnehmung ein wenig im Schatten der drei Landtagswahlen. Dabei waren am Sonntag mehr als doppelt so viele Menschen zur Wahl aufgerufen wie in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt zusammen. Das Ergebnis muss insbesondere der SPD Sorge bereiten: Niedersachsen war bislang die letzte echte Hochburg der Sozialdemokraten unter den Flächenbundesländern. Doch ein Jahr vor der dortigen Landtagswahl hat der seit Mai 2025 amtierende Ministerpräsident und Landesparteichef Olaf Lies allen Grund zur Sorge, während sich vor allem die AfD und - mit Abstrichen - die Grünen als Gewinner fühlen dürfen.
Auf den ersten Blick wiegt der Einbruch der SPD nicht besonders schwer in Relation zum desaströsen Bundestrend von 12 Prozent im RTL/ntv-Trendbarometer. Die Partei holte nach den zusammengerechneten Ergebnissen auf Kreisebene 24,6 Prozent. Das sind 5,4 Prozentpunkte weniger als 2021 und Platz zwei hinter der CDU, die mit einem Ergebnis von 27,2 Prozent vergleichbar hohe Verluste hinnehmen musste. Schaut man sich aber die Ergebnisse im Einzelnen an, insbesondere die Direktwahlen von Landräten und Bürgermeistern, muss die SPD echte Tiefschläge einstecken - auch wenn eine endgültige Bewertung erst nach den vielen anstehenden Stichwahlen am 27. September möglich ist.
Was die SPD wohl am meisten schmerzt und die Grünen am meisten freut: In der Landeshauptstadt Hannover hatte der Oberbürgermeister seit 1946 stets ein SPD-Parteibuch, dann kam 2019 Belit Onay. Der Grünen-Politiker schickt sich an, eine zweite Amtszeit zu absolvieren: Er holte im ersten Wahl 45,6 Prozent der Stimmen. In die Stichwahl hat es Sozialdemokrat Axel von der Ohe zwar geschafft, doch 21,5 Prozent der Stimmen sind eine für ihn schwierige Ausgangslage. Die Heimatstadt von SPD-Fraktionschef Matthias Miersch und dem außenpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, Adis Ahmetovic, könnte grün-regiert bleiben.
Auch in den anderen großen und bekannteren Städten des Landes tut sich die SPD schwer, ihre Ämter zu halten oder gar neue zu erobern. In der nach Einwohnern zweitgrößten Stadt Niedersachsen, Braunschweig , geht Oberbürgermeister und SPD-Politiker Thorsten Kornblum mit einem starken Ergebnis von 43,3 Prozent aussichtsreich in die Stichwahl gegen CDU-Herausforderer Maximilian Pohler. In Oldenburg , wo der sozialdemokratische Amtsinhaber Jürgen Krogmann nicht erneut antrat, wird es eng für die SPD: Ihr Bewerber Ulf Prange kommt auf 33,2 Prozent und muss in die Stichwahl gegen Jascha Rohr. Der von CDU und Grünen unterstützte Rohr kam auf 30,5 Prozent.
In Osnabrück regiert seit 2021 die christdemokratische Oberbürgermeisterin Katharina Pötter: Sie hat mit 42,2 Prozent gute Aussichten auf einen Verbleib im Amt, die SPD schafft es nicht einmal in die Stichwahl. Stattdessen darf sich Volker Bajus mit 22,3 Prozent im ersten Wahlgang an einem Coup für die Grünen wagen.
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