Wie reagieren seine Gegner?: FIFA-Boss Gianni Infantino überrascht die Fußball-Welt
Kuschelkurs statt Konfrontation. Mit seinem Brief an alle Präsidenten der 211 nationalen Fußball-Verbände und die Mitglieder im FIFA-Council hat Gianni Infantino eine überraschende Wende im Machtkampf der Funktionäre im Weltverband hingelegt.
In epischer Breite beschwört der Schweizer die Einheit des Fußballs und er räumt Fehler und Missverständnisse beim geplanten und geplatzten Investorendeal für die WM-Rechte ein, der aus seiner Sicht moralisch und juristisch korrekt war. "Er beinhaltete nicht die Aufgabe der Kontrolle oder Autorität der FIFA über sportliche Entscheidungen. Selbstverständlich nicht!", versichert Infantino und verspricht nun einen Wandel in den Führungsstrukturen bis hinein ins Präsidentenbüro.
Mit dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, ändert Infantino Strategie und Ton. Doch was ist seine Motivation? Ist der 56-Jährige nach wochenlanger Kritik und der Androhung von juristischen Schritten geläutert? Oder handelt es sich um ein recht einfach zu durchschauendes Manöver zum Machterhalt? Von einem Rückzug, den seine Kritiker herbeisehnen, ist jedenfalls keine Rede.
Was bietet Infantino im Machtkampf konkret an? Infantino schreibt von zwei Aspekten der Reformprüfung. Eine externe Kommission soll die Abläufe bei großen Projekten überprüfen. Das spielt auf die Kritik an, dass Infantino im Alleingang die WM-Rechte an US-Investoren veräußern wollte. Zweitens soll es einen breiten Konsultationsprozess mit internen und externen Fußball-Institutionen geben, wie die FIFA künftig geführt wird und wie "Entscheidungsprozesse verbessert werden können". Das schließt auch die Arbeit und Rolle des Präsidenten mit ein, versichert Infantino.
"Starke Institutionen warten nicht darauf, dass ihre Systeme versagen, bevor sie darüber nachdenken, wie sie verbessert werden können", schreibt Infantino. Die FIFA sieht er offenbar als solch eine starke Institution.
Wie tiefgreifend sind seine Ankündigungen? Erstmal geht es vor allem um große Worte. Der überwiegende Teil des Infantino-Briefes besteht aus dem Beschwören der heilen Fußball-Welt, die er selbst nach eigener Einschätzung in gut zehn Jahren als Präsident geformt und gefördert hat. Der Wille zur Reform - oder zumindest der Diskussion darüber - ist natürlich eine Strategieänderung.
Doch konkrete Vorschläge stehen in dem Papier noch nicht. Infantino lädt erstmal nur zu Gesprächen ein. Für diese sieht er sich selbst in der Rolle des Initiators, sofern der FIFA-Rat, in dem auch viele Gegner von ihm sitzen, diese wünscht. "Meine Rolle ist es nicht, dieser Diskussion vorzugreifen. Diejenigen, die ein bestimmtes Modell unterstützen, sollten die Möglichkeit haben, ihre Argumente klar darzulegen", schreibt Infantino.
Welche Reaktion ist von seinen Gegnern zu erwarten? Infantinos Gegner sind Top-Profis in der Welt der Fußball-Funktionäre. Sie werden dem FIFA-Boss gewiss nicht auf den Leim gehen. Und sie werden ihre Opposition auch nicht aufgeben. UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin und seine Gefolgsleute um DFB-Chef Bernd Neuendorf werden sich mit Konsultationen zu möglichen Reformen allein nicht abspeisen lassen. Sie haben ihr Ziel klar formuliert: Infantino muss weg.
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