Haben Betreiber sich verzockt?: "Bei Gasspeichern steht Vorwurf der Erpressung im Raum"
Die deutschen Gasspeicher decken an kalten Wintertagen die Hälfte des deutschen Gasverbrauchs ab. Noch sind sie halb leer. Die Betreiber hinken dem Befüllungszeitplan um Wochen hinterher. Eine Ursache ist der Iran-Krieg. Die hohen Preise für Flüssiggas schrecken viele Betreiber ab. Sie wollen Verluste vermeiden. Einige scheinen sich aber verzockt zu haben. "Das sieht man", sagt Energieanalyst Andreas Schröder im Interview. "Einige Speicher werden ja befüllt." Die Lösung des Problems ist offenbar der Staat. Warnungen vor einer Mangellage sollen ihn zum Eingreifen zwingen. "In Teilen haben wir es mit einem Marktversagen zu tun." Dem Ökonomen zufolge ist die Situation nicht aussichtslos. Die Speicherziele können nach wie vor erreicht werden. Mittelfristig schafft der Umstieg auf die Wärmepumpe Abhilfe: Deutschland befinde sich spürbar im Gasausstieg. Die Speicher würde er trotzdem nicht abschaffen.
Andreas Schröder: Aus jetziger Sicht sind sie halb leer. Die Befüllung ist deutlich verzögert. Die Füllstände sind ungefähr 17 Prozent niedriger als letztes Jahr zu dieser Zeit. Wir hinken bei der Einspeicherung ungefähr eineinhalb Monate hinterher.
Das Bundeswirtschaftsministerium sagt: Das ist kein Problem. Es gibt einen stetigen Nachschub über die norwegischen Pipelines und die LNG-Terminals.
Es muss auch kein Problem sein. Die Speicher sind ein Puffer für einen harten Winter oder Notfälle, wenn Infrastruktur ausfällt oder Ähnliches. Dafür müssen wir uns wappnen. Deshalb haben wir uns Speicherzielwerte gesetzt: Zu Beginn eines Winters sollen sie zu möglichst 70 Prozent voll sein. Diese 70 Prozent werden wir in diesem Jahr voraussichtlich nicht erreichen.
Wir erhalten fast die Hälfte unseres Erdgases über Leitungen aus Norwegen, etwa 45 Prozent. Das hat in den vergangenen Jahrzehnten super geklappt. Darauf können wir uns verlassen. Aber wenn diese Lieferungen wie die russischen zu Beginn des Ukraine-Kriegs auf einmal wegfallen, fehlt plötzlich ein großer Batzen unserer Versorgung. Das kann durch technische Defekte geschehen, aber wie wir wissen: Manche Länder haben keine Scheu davor, Infrastruktur zu attackieren. Für diesen Fall schaffen Speicher Versorgungssicherheit.
Richtig. Der Verbrauch ist vor allem im Haushaltssektor stark. Das ergibt eine saisonale Nachfrage. Sie ist im Winter ungefähr dreimal so hoch wie im Sommer. Die Gasproduktion ist aber stetig über das Jahr verteilt. Die Gasspeicher können das überschüssige Sommerangebot also für den Winter verfügbar machen. An besonders kalten Wintertagen decken sie locker die Hälfte des deutschen Gasverbrauchs. Deshalb sind sie systemkritisch. Darauf können wir eigentlich nicht verzichten.
Sie werden gefüllt, aber zu langsam. Das liegt an den Preisen. Im Sommer sind sie üblicherweise niedrig. In diesem Jahr sind sie wegen der Spannungen im Nahen Osten ungewöhnlich hoch. Durch die Schließung der Straße von Hormus fehlen etwa 20 Prozent des Flüssiggasangebots auf dem Weltmarkt.
Das Flüssiggas aus Katar steckt im Persischen Golf fest und kann nicht ausgeliefert werden.
Richtig. Dieses Volumen fehlt auf dem Weltmarkt.
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