Mittelmeer-Invasion: Wie eine Armee aus 500.000 Oktopussen die invasive Blaukrabbe stoppen soll
Wegen immer höherer Wassertemperaturen breitet sich die Blaukrabbe seit Jahren im Mittelmeer aus.
Nun setzen Forschende der invasiven Art Massen an Fressfeinden entgegen.
Eigentlich ist die Atlantikküste Nord- und Südamerikas der Lebensraum der Blaukrabbe .
Doch wurde sie – wahrscheinlich über das Ballastwasser von Schiffen – auch ins Mittelmeer eingeschleppt.
2023 führte die Vermehrung der Blaukrabbe, die sich unter anderem von Miesmuscheln ernährt, in manchen Lagunen im italienischen Po-Delta zu einem Rückgang der Miesmuscheln um 75 bis 100 Prozent.
Die höheren Temperaturen des Mittelmeeres beschleunigten offensichtlich die Ausbreitung der invasiven Art, schrieben Forschende 2025 im Meereszustandsbericht des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus.
Seit 2024 läuft ein Forschungsprojekt: Bis zu 500.000 Oktopusbabys wurden allein diesen Sommer ausgesetzt. „Der Oktopus ist ein Raubtier, das zur Kontrolle der am häufigsten vorkommenden Arten beitragen kann“, sagte Oliviero Mordenti , Professor an der Universität von Bologna und Leiter des „Octo-Blu“ getauften Projekts.
Die Hoffnung: Ein ausgewachsener Oktopus der im Mittelmeer heimischen Art Octopus vulgaris frisst bis zu vier Blaukrabben pro Tag und so könnten die im Labor gezüchteten Kraken deren Bestand reduzieren. „Dieser Ansatz zielt nicht darauf ab, die invasive Krabbenart vollständig auszurotten, sondern soll in Verbindung mit anderen Bewirtschaftungsstrategien, wie bestehenden Fischereimaßnahmen, zur Kontrolle der Populationen beitragen“, sagte Antonio Casalini, ein am Projekt Beteiligter, laut „Scientific American“ .
Projekt Kraken gegen Blaukrabben Doch es gibt auch Kritik an „Octo-Blu“: Gianluca Sarà, Meeresökologe an der Universität Palermo in Italien, sagte „Scientific American“ , die Idee hinter dem Projekt sei „beeindruckend; sie ist großartig“ – doch es sei möglich, dass die Auswirkungen „absolut vernachlässigbar“ seien.
Normalerweise weisen die Paralarven von Kraken eine Sterblichkeitsrate von etwa 99,9 Prozent auf, so Sarà.
Das bedeutet, dass von Tausenden nur wenige das Erwachsenenalter erreichen werden.
Und noch ein Problem gibt es: Blaukrabbenweibchen legen durchschnittlich 1,6 Millionen Eier, Krakenweibchen „nur“ zwischen 120.000 und 400.000.
Ende August 2026 teilte der Klimawandeldienst des EU-Programms Copernicus in Bonn mit: „Die Weltmeere sind so warm wie noch nie seit Beginn der Messungen im Jahr 1979.
Die tägliche globale durchschnittliche Meeresoberflächentemperatur (SST) habe ihren höchsten jemals gemessenen Wert erreicht.
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