Buntes Netz wird zur Vogel-Falle - Feuerwehr rettet Krähe aus Millionen-Kunstwerk
Frankfurt/Main – Es kam ein Vögelein geflogen … Leider landete die Krähe nicht auf einem Baum, sondern verhedderte sich in einem 2,3 Millionen Euro teuren Kunstwerk am Drogen-Hotspot Konstablerwache in Frankfurt. Das bunte Netz wurde beinahe zur tödlichen Falle. Die Feuerwehr musste ausrücken. Jetzt steigt der Druck auf die Stadt, die das Projekt ohne öffentliche Ausschreibung vergeben hatte.
Frankfurt ist „Welt-Designhauptstadt 2026“. Deshalb schwebt seit dem 11. August die 2,3 Millionen Euro teure Installation „A Sky full of Hope“ („Ein Himmel voller Hoffnung“) über der tristen Konstablerwache in der City. Doch jetzt musste die Feuerwehr ausrücken!
Als eine verängstigte Krähe im 200 Quadratmeter großen Netz zappelte, wählte eine Passantin am Dienstag gegen 9.40 Uhr den Notruf. „Gegen 10 Uhr waren Kollegen der Feuerwache 1 mit einem Fahrzeug mit Drehleiter vor Ort. Wir haben die Krähe dann aus dem Kunstwerk befreit und der Stadtpolizei übergeben“, so ein Sprecher der Berufsfeuerwehr Frankfurt . Die gute Nachricht: Nach Angaben der Stadt geht es der Krähe gut, sie wurde inzwischen wieder freigelassen. Die schlechte Nachricht: Auch diesen Einsatz wird nach BILD-Informationen der Steuerzahler zahlen müssen, da niemand dafür haftbar gemacht werden kann.
War das bei einem so riesigen Netz nicht vorhersehbar? Das Kulturdezernat verweist auf eine „fachliche Bewertung, dass die Netzkonstruktionen der Künstlerin Janet Echelman für Vögel sicher sind“. Zugleich kündigte man an, den Fall zu prüfen: „Es wird analysiert, ob und welche konkreten Konsequenzen daraus zu ziehen sind.“
Ornithologe Bernd Petri (65) vom Naturschutzbund Hessen (NABU) erklärt auf BILD-Anfrage: „Eine solche Installation stellt eine potenzielle Gefahr dar. Ich gehe aber hier von einem Einzelfall aus, da sich etwa die Tauben vor Ort daran gewöhnen und kleinere Vögel wie Stare im großmaschigen Netz nicht hängen bleiben.“ Sollten sich aber die Vorfälle häufen, müsste das Kunstwerk womöglich entfernt werden. Michael Sehr (45) von der Berufstierrettung Rhein-Neckar sagt hingegen: „Das Kunstwerk ist eine Todesfalle für Vögel.“
In der Kritik stehen vor allem die Kosten von 2,3 Millionen Euro aus Steuermitteln. Der Auftrag wurde ohne öffentliche Ausschreibung an die US-Künstlerin Janet Echelman (60) und eine Frankfurter Agentur vergeben. Begründung des Kulturdezernats: Es handle sich um ein „einzigartiges Kunstwerk mit spezifischen Anforderungen“. Das bezweifeln nicht nur Rechtsexperten. Dezernentin Ina Hartwig (63, SPD) muss kommende Woche auf Antrag der Linken beim Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Rede und Antwort stehen.
Die verunglückte Krähe war allerdings nicht der erste Vogel-GAU für Künstlerin Janet Echelman. 2021 blieb eine Stockente in ihrem Netz-Kunstwerk in St. Petersburg in Florida (USA) hängen. Mitarbeiter der Stadt mussten das Tier mit einem Hubsteiger befreien.
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