Kommentar zu RB Leipzig - Demichelis steht das Wasser schon bis zum Hals
Erst die Bundesliga-Pleite an der Weser, dann die Blamage in der Champions League am Comer See. RB Leipzigs Trainer Martin Demichelis steht das Wasser schon bis zum Hals.
Nach null Punkten und den desaströsen Auftritten in Bremen und Como haben viele Fans schon die Schnauze voll. Und die Zweifel, dass Demichelis wirklich der richtige Trainer ist, dürfte bereits jetzt in die Köpfe der Bosse kriechen. Am Sonntag kommt der HSV. Dann helfen nur drei Punkte – oder der Argentinier könnte noch vor der Länderspielpause ein Job-Endspiel in Leverkusen haben. Dass Trainer auch ohne Schonzeit fliegen können, hat Bayer im Fall ten Hag letzte Saison bewiesen.
Dabei liegt es weniger an Demichelis selbst, dass er in Leipzig kaum Kredit hat. Der Umbruch im Sommer war mit 36 Transferbewegungen größer als gedacht, Superstar Yan Diomande hat den Klub in Richtung Real Madrid verlassen. Sechs wichtige Spieler fehlten zuletzt verletzt, die Charakter-Säulen Baumgartner und Reitz sind noch wochenlang raus.
Demichelis Problem hat auch mit dem Abgang von Jürgen Klopp zu tun. Der neue Bundestrainer drückte als Ex-Boss bei Red Bull quasi als letzte Amtshandlung die moralisch fragwürdig-abgelaufene Trennung von Ole Werner durch. Und installierte zusammen mit der Klubführung um CEO Tatjana Haenni und Sportchef Marcel Schäfer Mallorca-Absteiger Demichelis. Für die Fans ein Affront.
Demichelis Unzulänglichkeiten in Bezug auf die Mannschaft wiegen so plötzlich doppelt schwer: wie das lückenhafte Pressing. Oder das planlose Offensiv-Spiel. Mutlose und labile Körpersprache. Auf dem Rasen stehen offensichtlich ratlose Spieler. Wohl auch deshalb, weil die Kommunikation schwierig ist.
Was Demichelis ehrt: Er will alle Interviews auf Deutsch führen. Das ist auch Amtssprache in der Kabine. Aber: Oft fehlen ihm die richtigen Worte, Journalisten-Fragen an ihn laufen teilweise ins Leere. In der Öffentlichkeit ist das zu verzeihen. In der teaminternen Kommunikation ist das fatal. Englisch spricht er so gut wie gar nicht – das macht die Kommunikation zu den Spielern noch schwieriger.
Schon Sonntag gegen den HSV muss sich zeigen, ob Demichelis die Mannschaft erreicht und auf Kurs bringen kann. Oder ob Klopp letztes Leipzig-Vermächtnis vor dem Aus steht.
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