Genialer Unterricht - Dieser Lehrer erklärt Physik aus dem Aquarium
Gütersloh – Ein Mann hockt im Aquarium. Er drückt die Hände gegen die Scheibe, presst die Lippen aufeinander. Vor seinem Gesicht steigt eine Luftblase auf. Willkommen in einer Schulstunde von Dimitri Fromm (41). Der Mathe- und Physiklehrer aus Gütersloh (NRW) ist gerade in Jeans und T-Shirt ins Wasser gestiegen. Er möchte seiner Klasse zeigen, wie man die Dichte des menschlichen Körpers messen kann. Die Schüler sehen, wie das Wasser steigt. Verdrängung muss man ihnen danach nicht mehr lange erklären.
Dimitri Fromm ist ein ungewöhnlicher Lehrer. Einer, der seine Liebe zu Mathematik und Physik unbedingt weitergeben möchte. „Lehrer haben einen großen Einfluss darauf, wie Kinder ein Fach erleben“, sagt er.
Der Vater von vier Söhnen habe früher selbst schlechte Erfahrungen gemacht. „Die negativen Erinnerungen aus meiner Schulzeit haben sich jahrelang wie ein Schatten über die Fächer gelegt“, erinnert sich Fromm: „Ich brauchte lange, um die Schönheit von Mathe und Physik wiederzuentdecken.“ Deshalb möchte er es besser machen. „Ich beobachte die Lerngruppe genau“, erklärt er. „Wenn die Motivation nachlässt oder Hürden entstehen, baue ich Experimente ein, um die Freude und das Interesse neu zu entfachen.“ So ein Experiment sei für ihn nie nur reine Wissensvermittlung. Fromm: „Es ist eine emotional-wissenschaftliche Mitführung auf eine Reise.“
Fromm: „Jeder kennt das Gefühl aus dem Bus, wenn man beim Bremsen nach vorn gedrückt wird.“ Um Trägheit zu erklären, bringt der Lehrer einen Servierwagen voller alter Teller, Schüsseln, Vasen mit in die Klasse. „Ich rolle den Tisch erst langsam, dann immer schneller durch den Raum. Dazu läuft Musik, die immer dramatischer wird.“ Schließlich kracht der Wagen gegen ein Hindernis. Das Geschirr fliegt Richtung Tafel und zerschellt. Fromm: „Während der Tisch stoppt, behält das Geschirr seine Geschwindigkeit bei. Das ist die Trägheit der Masse.“
Ein anderes Mal kommt Fromm als Wissenschaftler im weißen Kittel und mit riesigen Knicklichtern in die Klasse. Fromm: „Wir fragen uns: Was knickt da eigentlich?“ Dann beginnt die Operation. Fromm zerlegt den Leuchtstab, trennt die Flüssigkeiten. Im Dunkeln werden sie wieder zusammengegossen. „Sie erstrahlen und leuchten beim Fließen durch die Gefäße. Das ist ein magischer Anblick“, so der Lehrer.
Mindestens so wichtig wie gute Experimente ist Fromm etwas anderes: ehrliches Lob. „Manchmal ist das mit dem Lob wie beim Angeln“, sagt er. Man müsse beobachten und auf den richtigen Moment warten. „Ich möchte etwas finden, das wirklich stimmt.“
Er erzählt von einem Jungen, der große Schwierigkeiten mit Mathematik und Physik hatte. „Niemand wusste so recht, wie man ihn erreichen konnte.“ Aber der Junge war gut im Zeichnen. Besonders gut konnte er Graffiti. Als die Klasse die Kraft-Formel F = m × a lernte, bat Fromm ihn, sie als Graffiti darzustellen. „Er zeichnete ein fantastisches Bild. Die Mitschüler konnten sich die Formel dadurch perfekt einprägen. Und er selbst zum ersten Mal auch.“ Fromm lobte ihn vor der ganzen Klasse. Das habe sein Selbstbewusstsein komplett gedreht.
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