Verwahrlosung und Überleben: Freiheit, die ein Kind beinahe zerstört
Lilli Tollkiens Debüt erzählt von einer Kindheit zwischen WG-Freiheit und Vernachlässigung: Lale erlebt Grenzüberschreitungen, Einsamkeit und Scham - und findet trotzdem einen Weg, sich selbst ein Zuhause zu schreiben.
Lales Mutter ist drogenabhängig, der Vater ein Bankräuber. Diese Erfahrung macht Lale schon im Mutterbauch, den ersten Entzug dann als Baby. Sie wächst in den 1980er Jahren mit ihrem Ziehvater Karlheinz in einer WG in Westberlin auf - als einziges Kind unter vier Männern. Das Kind darf Fanta trinken und Nutella essen, muss nicht ins Bett und sitzt stundenlang vor dem Fernseher.
Was nach anarchistischer Freiheit klingt, einer Welt ohne Regeln und Verbote, hat jedoch eine zerstörerische und dunkle Seite. Das Kind ist in dem besetzten Haus in Berlin-Kreuzberg der Gleichgültigkeit und Willkür der Männer ausgesetzt, die wiederum selbst von ihrem Drogen- und Alkoholkonsum und ihrer immer neuen Gier nach Frauen getrieben sind. Da ist für die Fürsorge gegenüber einem Kind so wenig Platz, dass Lale selbst irgendwann nach mehr Verboten fragt.
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