Grüne pochen auf Klimaanpassung: Wer hört hier gerade den Schuss nicht?
Kaum geht der Sommer zu Ende, rücken auch die Extremhitze und ihre Folgen wieder in den Hintergrund der politischen Debatten. Die Grünen wollen dagegenhalten. Mit durchwachsenem Erfolg.
Hören die Grünen den Schuss wieder nicht? Oder sind sie die einzige Partei, die ihn hören will? Die Frage drängt sich auf bei einem etwas kuriosen Pressetermin der beiden Parteivorsitzenden Franziska Brantner und Felix Banaszak zusammen mit dem Grünen-Spitzenkandidaten für die Berliner Abgeordnetenhauswahl, Werner Graf. Die Drei wollen über Klimaanpassung sprechen, vor ihnen die Mikrofone und TV-Kameras, hinter ihnen ein Zweirichtungsradweg sowie Grünanlagen, wo einmal Autos fuhren und parkten. 200 Meter Vorschau auf die kluge, grüne Welt von morgen sollen das sein. Doch dieses Bild geht nur auf, wenn man den Auftritt durch den engen Ausschnitt der Fernsehkameras verfolgt - und eigentlich nicht einmal dann.
Wer nämlich vor Ort ist, bekommt noch mehr zu Gesicht als den 2024 fertiggestellten Radweg mit satter Seitenbegrünung: jenes Berlin, in dem die meisten Deutschen lieber nicht wohnen möchten. Links und rechts der Grünen-Politiker stehen Zelte obdachloser Menschen inmitten der Grünanlage. Die "mit einer regionalen Saatmischung" angelegten Pflanzen muss man erst einmal von Unkraut zu unterscheiden wissen. Der Bürgersteig ist dreckig, in den umliegenden Straßenzügen wird gedealt. An einer besprühten Mauer steht auf Englisch "Befreit Palästina". Auf die Laterne gleich neben Banaszak hat jemand "Scheiß Israel" gekritzelt. Eine Passantin erkennt die anwesenden Politiker, schreit "Kriegstreiber" und "Scheiß Grüne!" Kaum, dass Banaszak weiterspricht, unterbricht ihn laute Elektromusik aus der Musikbox eines Radfahrers.
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