Zwei Wahlen und ein Kanzler, der ums Amt kämpft - Heute wird es wieder knapp!
Berlin – Die Stimmung beim Kanzler: hochnervös. Friedrich Merz (70) weiß, dass die Landtagswahlen heute in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin auch über sein Schicksal entscheiden können. Es könnte knapp werden – in jeder Hinsicht. Doch der CDU-Chef kämpft und will drohende Revolten noch am Sonntagabend niederringen. Dafür hat er die Führungsmannschaft der CDU, das Präsidium, in die Parteizentrale einbestellt. 17 Uhr, Konrad-Adenauer-Haus, Berlin. Erscheinen ist Pflicht.
Auch alle acht CDU-Ministerpräsidenten lässt Merz antanzen. Es ist das Rückspiel dafür, dass sie ihn (mit Ausnahme von Daniel Günther aus Schleswig-Holstein) am Katastrophenabend der Sachsen-Anhalt-Wahl in der Parteizentrale alleine ließen.
Merz telefonierte nach BILD-Informationen sogar einige Ministerpräsidenten ab, um sicherzustellen, dass sie an diesem Sonntagabend an seiner Seite sitzen. Denn heute kann es noch übler werden: In Meck-Pomm bekommt die CDU aller Voraussicht nach das schlechteste Wahlergebnis ihrer Geschichte. Selbst ein Scheitern an der 5-Prozent-Hürde ist nicht ausgeschlossen. Und in Berlin könnte die Linkspartei die CDU überholen. Als sicher gilt: Bei beiden Landtagswahlen schrumpft der CDU-Balken, während sich der AfD-Balken verdoppeln könnte. Merz droht die nächste blaue Stunde.
Sein Kalkül: Wenn sich die Ministerpräsidenten am Sonntagabend trotz grottenschlechter CDU-Ergebnisse hinter ihn stellen, können sie ihn schlecht ein paar Tage später stürzen.
Doch die Ministerpräsidenten haben eigene Pläne. Einer sagte BILD: „Wir wollen von Friedrich Merz hören, was sein Plan ist, damit es wieder besser läuft. Reformankündigungen, Personalrochaden in der Regierung und Fraktion – das hat alles nichts gebracht.“
Vier Kilometer entfernt, im Willy-Brandt-Haus, sitzt zur selben Zeit die SPD-Spitze zusammen. In der Partei grummelt es, die Unzufriedenheit mit den Parteichefs Lars Klingbeil (48) und Bärbel Bas (58) wächst. Wer die beiden retten kann: Manuela „Manu“ Schwesig , Ministerpräsidentin aus Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist in Umfragen etwa dreimal so stark wie die SPD im Bund, könnte knapp sogar die AfD überholen.
Ab heute Abend wird Schwesig, die sich im Wahlkampfendspurt die „Frau gegen Blau“ nannte, die starke Frau der SPD. Ein Parteistratege: „Ohne Manus Billigung wird es keinen Sturz der Parteispitze geben.“ Und bis sie in Schwerin eine stabile Regierung gebildet und die Wiederwahl zur Ministerpräsidentin überstanden hat, wird sie alle zur Ruhe verdonnern.
Was sie auch ohne Parteiamt machen wird: den Kurs der SPD mitbestimmen. Konkret: mehr Härte bei Sozialbetrug, weniger Kürzungen für Arbeitnehmer. Die geplante Abschaffung der „Rente mit 63“ wird Schwesig mit allen Mitteln verhindern.
Für Unruhe könnte in der SPD ein einstelliges Ergebnis in Berlin sorgen. Doch dagegen stehen das wahrscheinliche Traumergebnis von Schwesig und die Erkenntnis, dass der richtige Spitzenkandidat entscheidend ist. Für die nächste Bundestagswahl heißt das: Wenn Schwesig will, müsste Klingbeil ihr wohl die Kanzlerkandidatur überlassen.
Ähnlich wie Merz schart auch Klingbeil einflussreiche Parteifreunde um sich.
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