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Die große Mittags-Debatte - Macht mich Alleinessen zum Außenseiter im Büro?

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Die große Mittags-Debatte - Macht mich Alleinessen zum Außenseiter im Büro?

Jeden Tag dieselbe Szene im Büro: Die Kollegen ziehen gemeinsam in Richtung Kantine, zum Italiener um die Ecke oder holen sich etwas auf die Hand. Und dann kommt die Frage: „Kommst du mit?“ Doch was, wenn man eigentlich lieber alleine essen, eine Runde spazieren gehen oder einfach einmal seine Ruhe haben möchte? Gilt man dann automatisch als unkollegial?

Zumindest aus Knigge -Sicht lautet die Antwort: „Nein, aber ...“ Eine Pflicht zum gemeinsamen Mittagessen gebe es zwar nicht, sagt Linda Kaiser, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutsche-Knigge-Gesellschaft e.V., zu BILD: „Es ist jedoch sinnvoll, die Pausenzeiten hin und wieder gemeinsam zu verbringen. Es erleichtert die Zusammenarbeit und fördert das Miteinander.“

Genau die Frage wird derzeit auch in Schweden diskutiert. Die Schauspielerin Félice Jankell, die in ihrer Heimat zu den bekannten TV-Gesichtern zählt, erklärte öffentlich, dass sie Mittagspausen lieber alleine verbringt. Für sie seien diese 45 Minuten ein Stück Privatzeit. Noch mehr Gespräche, Small Talk und soziale Interaktion empfinde sie als zusätzliche Anstrengung.

Mit dieser Haltung steht der TV-Star offenbar nicht alleine da. Die schwedische Psychologin und Stressforscherin Marie Söderström sagt: „Bei der Erholung geht es darum, Energie zu tanken. Was dabei hilft, ist jedoch von Mensch zu Mensch unterschiedlich.“ Dabei handele es sich nicht zwingend um introvertierte oder extrovertierte Persönlichkeiten. Entscheidend sei, wie der Vormittag verlaufen sei. Wer von Meeting zu Meeting hetzt, telefoniert, diskutiert und viel mit Menschen zu tun hat, empfindet die Mittagspause oft als seltene Gelegenheit zum Durchatmen.

Die Expertin betont: Ist der Arbeitstag bereits „vollgepackt mit Besprechungen, Menschen, Small Talk und sozialen Verpflichtungen“, könne zusätzliche soziale Interaktion während der Mittagspause sogar das Gegenteil von Erholung bewirken. Manchmal sei „genau das Soziale das, wovon man sich eine Zeit lang erholen muss“, so Söderström. Forscher sprechen in diesem Zusammenhang von sogenannten Mikropausen. Schon kurze Momente, in denen das Gehirn umschalten kann, helfen dabei, Stress abzubauen und neue Energie zu gewinnen. Das kann ein kurzer Spaziergang sein, ein Kaffee auf einer Parkbank oder einfach ein paar Minuten ohne Bildschirm und Gespräche.

Ganz ohne Nachteile ist der Rückzug allerdings nicht. „Es lebt sich in Zwangsgemeinschaften meist besser, wenn man einander entgegenkommt und sich jenseits der täglichen Aufgaben besser kennenlernt“, sagt Knigge-Expertin Linda Kaiser zu BILD. Wer grundsätzlich jede Einladung ausschlägt, nehme sich auch die Chance auf ein besseres Miteinander. Kaiser rät daher weder zum Dauerrückzug noch zur ständigen Gruppenpflicht. Wer gelegentlich mit den Kollegen essen geht und sich bei Bedarf auch mal Zeit für sich nimmt, fährt am besten.

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