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Ab 1. September in Apotheken - Jetzt kommt Cannabis gegen Rückenschmerzen

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Ab 1. September in Apotheken - Jetzt kommt Cannabis gegen Rückenschmerzen

Cannabis-Arzneimittel gibt es in Deutschland schon länger. Sativex hilft bei Multipler Sklerose, Canemes gegen Chemo-Übelkeit. Doch gegen Schmerzen war bislang kein Cannabis-Medikament regulär zugelassen. Genau das ändert sich jetzt: Für Millionen Schmerzpatienten gibt es neue Hoffnung. Mit Exilby ist erstmals ein in Deutschland zugelassenes Medikament auf Basis eines standardisierten Cannabis-Extrakts erhältlich, und zwar ab dem 1. September.

Das Präparat richtet sich an Menschen mit chronischen Schmerzen im unteren Rücken und einer neuropathischen Komponente, also Schmerzen durch geschädigte oder gereizte Nerven . Typische Anzeichen sind Brennen, Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Schmerzen, die ins Bein ziehen. Die Dimension des Problems ist enorm: Rückenschmerzen sind Volkskrankheit Nummer 1. Rund 26 Millionen Menschen in Deutschland, also etwa jeder Dritte, sind betroffen. Bei rund 15 Prozent der Erwachsenen sind die Schmerzen chronisch.

Die Zulassung basiert nach Herstellerangaben auf klinischen Studien mit mehr als 1200 Patienten. Eine zentrale Phase-3-Studie erschien im Fachjournal „Nature Medicine“. Der Hersteller Vertanical spricht von der ersten neuen Behandlungsoption gegen Kreuzschmerzen seit mehr als 15 Jahren. In einer der Studien schnitt Exilby sogar leicht besser ab als ein starkes Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide. Schmerzexperte Prof. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel sieht darin einen wichtigen Schritt: „Die Daten sind wissenschaftlich bedeutsam, weil erstmals eine große Phase-3-Studie mit einem standardisierten Cannabis-Extrakt bei chronischen Rückenschmerzen vorliegt.“ Zugleich mahnt er: „Die zusätzliche Schmerzreduktion gegenüber Placebo war insgesamt moderat.“

Wichtig sei vor allem: „Mehr Patienten erreichten eine deutliche Schmerzlinderung sowie Verbesserungen von Schlaf und körperlicher Funktion.“ Doch es gebe eine Kehrseite: „Typische Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit und Benommenheit traten vergleichsweise häufig auf.“ Das Präparat sei „keine Therapie für jeden Rückenschmerz-Patienten, könnte aber für ausgewählte Patienten eine wichtige zusätzliche Behandlungsoption darstellen.“

Exilby ist verschreibungspflichtig. Ärzte aller Fachrichtungen können es verordnen, abgegeben wird es in der Apotheke gegen Rezept. Die Kosten übernehmen grundsätzlich gesetzliche und private Krankenkassen. Zum Start liegen die Tagestherapiekosten bei rund 11 bis 12 Euro. Eine Flasche reicht je nach Dosierung bis zu zwei Monate.

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