TV-Kritik: „maischberger“: Zur Not mit den Linken
Während manche Talkshows noch in der Sommerpause weilen, ist Sandra Maischberger mit Wucht zurück: Dreimal hintereinander ist sie in dieser Woche auf Sendung, und auch thematisch zeigt sie keine Scheu. Nachdem Maischberger am Montag – auf dem zurückgestutzten „Hart aber fair“-Sendeplatz – mithilfe der Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer die Luft aus den Enteignungsphantasien der Linken-Vorsitzenden Ines Schwerdtner gelassen hatte, war nun am Dienstag neben dem NRW-Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Chef der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei Nathanael Liminski (CDU) der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD im Bundestag, Bernd Baumann, zu Gast.
Es wurde ein so heftiger Schlagabtausch, wie man das erwarten konnte, angesichts der anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September, bei der in aktuellen Umfragen der Alternative für Deutschland ein Wähleranteil von über vierzig Prozent prognostiziert wird – mit der nicht ausgeschlossenen Möglichkeit, die absolute Mehrheit der Sitze zu erlangen. Ja, Alarmismus ermüdet, und doch darf man alarmiert sein, wenn eine Partei mit völkischer DNA, deren Landesverband vom Landesverfassungsschutz Sachsen-Anhalt weiterhin als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ geführt wird (das ist unabhängig vom Beschluss des Verwaltungsgerichts Köln im Februar 2026, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz die Partei als ganze vorerst nicht mehr so bezeichnen darf) kurz davorsteht, möglicherweise ein Bundesland der BRD zu regieren.
Die Anspannung war allen drei Diskutanten anzumerken. Baumann, ein Ruhrgebietsgewächs, wollte jovial wirken, wurde aber im Laufe des Gesprächs immer polternder. Liminski wahrte die Contenance, blieb ungewöhnlich ernst und machte schließlich eine kaum verschlüsselte Ansage. Maischberger wiederum sprang manchmal aus der Moderatorinnen-Rolle heraus, wenn sie etwa vehement Helmut Schmidt gegen die Vereinnahmung durch Baumann in Schutz nahm (sich sogar dagegen „verwahrte“). Es ging an dieser Stelle in Bezugnahme auf eine Aussage des stellvertretenden AfD-Landesvorsitzenden von Sachsen-Anhalt, Hans-Thomas Tillschneider, um das Verhältnis zur deutschen Vergangenheit. Tillschneider hatte gesagt, 81 Jahre nach der „Kapitulation“ müsse „diese Zeit einrücken in die normale Geschichte“.
Man dürfe die NS-Zeit nicht verabsolutieren, dekretierte nun auch Baumann bei „Maischberger“ mehrfach, wieder ganz der Vorwärtsverteidiger, als der er im Januar 2024 im „Bericht aus Berlin“ sogar schon die unter Neonazis beliebte und damals von Mitgliedern der AfD-Jugend gesungene Parole „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ verteidigt hatte (das beziehe sich ja bloß auf Pass-Deutsche, hatte er sich damals naiv gegeben; Kommentatoren waren entsetzt).
Dass die Bundesrepublik Deutschland auf den Trümmern und der ewigen Schuld des sogenannten „Dritten Reichs“ errichtet worden ist, interessiert die selbsternannten Patrioten der AfD offenkundig nicht. Baumann rekurrierte nun unter anderem auf die Worte von Helmut Schmidt, der moniert hatte, es sei aus der deutschen Geschichte ein „Verbrecheralbum“ gemacht worden.
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