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Global Reporter Tim Röhn vor Ort - „Das ist alles nicht zu ertragen“

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Global Reporter Tim Röhn vor Ort - „Das ist alles nicht zu ertragen“

Ceuta (Spanien) – Es ist noch früh an diesem Montagmorgen in Ceuta, aber in der Avenida Cadi Iyad, gleich neben dem städtischen Krankenhaus, ballern Polizisten mit ihren Flinten schon in die Luft. Der Grund: Auf dem geräumigen Parkplatz nebenan entstehen Aufnahmelager für Migranten, und so haben sich ein paar Tausend junge Männer über Nacht auf dem Bürgersteig vor dem Eingang angesammelt. Die sollen nun weg, denn im Lager gibt es angeblich keinen Platz mehr.

Beamte der Nationalpolizei ziehen ihre Knüppel und weisen den Menschen den Weg – nicht nach unten, zum nur etwa 500 Meter entfernt liegenden Grenzübergang, sondern nach oben, Richtung Zentrum der 80.000-Einwohner-Stadt. Die Migranten sehen ausgelaugt aus, haben müde Gesichter. Einige zögern, andere rütteln am Lagerzaun, und wiederum andere protestieren. Die Polizei schreitet kompromisslos ein.

Nach und nach gehen die Leute. Nach einer Stunde fehlen nur noch zwei große Gruppen, die zwischen Mehrfamilienhäusern herumlungern. Aus den Fenstern gucken ebenso müde Gesichter. Ein Mann im dritten Stock ruft: „Das ist alles nicht mehr zu ertragen. Und es stinkt überall.“ Zurück auf dem Bürgersteig und zwischen den Häusern bleiben Matratzen, Rollstühle, Pappkartons, Plastikflaschen, ein Tennisschläger, Kissen, Decken.

Ceuta am letzten Augusttag. Viereinhalb Wochen nachdem zwischen 70.000 und 80.000 Menschen in die spanische Exklave auf afrikanischem Territorium einfielen, ist das Chaos zur Normalität geworden. Offizielle Zahlen dazu, wie viele Migranten sich noch hier aufhalten, gibt es nicht; nach Angaben der spanischen Polizeikonföderation sind es rund 10.000. Und das, obwohl Ministerpräsident Pedro Sánchez nur zwei Tage nach Beginn der Krise behauptet hatte, „praktisch alle“ Eindringlinge seien nach Marokko zurückgekehrt.

Dass das nicht stimmt, wurde schnell deutlich und löste Verärgerung in Ceuta aus. Fast täglich protestieren Einheimische, teils unterstützt von Rechtsextremen vom Festland, gegen die Zustände und gegen die Zentralregierung in Madrid . Die Politik, sie lasse die Ceutíes im Stich, das ist der Vorwurf. Und: dass man die Menschen mit ihrer offenen Migrationspolitik erst motiviert habe, die Grenze zu stürmen. Und dass man nun nicht genug unternehme, um die Leute wieder loszuwerden.

Tatsächlich ist unklar, was mit den 10.000 Verbliebenen geschehen soll. An verschiedenen Orten in der Exklave entstehen neue Lager, am Montag wurden etwa Frauen und Kinder verlegt. In einem anderen Camp sind jetzt nur Schwarzafrikaner. Im alten Industriegebiet El Tarajal gibt es das Minderjährigen-Lager „Neue Hoffnung“ und auch sonst Hunderte, die am Straßenrand mit Paletten, Stofffetzen und Plastikplanen ihre Quartiere eingerichtet haben.

Am Montagmittag teilen Aktivisten der NGO „Luna Blanca“ (weißer Mond) Essensrationen aus. Es kommt zu Gedränge, Geschubse, Polizisten jagen Migranten, dann reckt ein Beamter einen langen Schraubenzieher in die Höhe; damit soll jemand die Polizei attackiert haben. Die Polizisten ziehen ihre Kappen ab und Helme auf. Dem Autor dieses Textes wird empfohlen, sich weiter abseits zu stellen, weil eine Eskalation drohe.

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