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Demenzrisiko: Der Unterschied zwischen Sport und Arbeit

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Demenzrisiko: Der Unterschied zwischen Sport und Arbeit

Lieber die Treppe statt den Aufzug nehmen und ein paarmal die Woche joggen gehen: Vielen achten auf ausreichende Bewegung, nicht nur, um körperlich in Form zu bleiben. Man will auch geistig fit sein, und das möglichst lange. Bewegung schützt vor Demenz, das berichten Wissenschaftler seit Langem. Das Credo lautete: Jeder Schritt zählt. Doch daran rüttelt nun eine große Studie: Offenbar zählt nicht nur, wie viel man sich bewegt – sondern auch, warum und unter welchen Bedingungen. Bewegung in der Freizeit ist mit einem niedrigeren Demenzrisiko verbunden. Körperlich anstrengende Arbeit dagegen mit einem höheren. Was steckt dahinter?

Dieses „physical activity paradox“ ist bereits aus der Herz-Kreislauf-Forschung bekannt: Wer auf dem Bau schuftet, hat nicht dieselben gesundheitlichen Vorteile wie jemand, der für den Triathlon trainiert. Vielmehr erleiden die Malocher eher einen Herzinfarkt und sterben früher, zeigten etwa große Datenanalysen aus Dänemark. Für Demenz ist dieser Zusammenhang bislang aber nicht in der Breite zusammengefasst worden.

Das Forschungsteam um David Raichlen von der University of Southern California hat nun im Fachjournal „The Lancet Public Health“ eine Metaanalyse veröffentlicht. Eingeflossen sind 74 Studien mit insgesamt mehr als 4,2 Millionen Menschen aus 30 Ländern. Die Teilnehmer waren zwischen 45 und 93 Jahre alt und wurden im Schnitt über zehn Jahre beobachtet. Erfasst wurde, wie viele insgesamt an Demenz erkrankten sowie an Alzheimer und vaskulärer Demenz.

Wer sich in seiner Freizeit viel bewegte, hatte demnach ein um 24 Prozent niedrigeres Demenzrisiko als jene, die sich am wenigsten bewegten. Gemeint waren etwa Spaziergänge, Radfahren, Joggen, Schwimmen und andere Sportarten. Auch im Garten arbeiten oder das Haus putzen könnte einen schützenden Effekt haben: Hausarbeit ging mit einem leicht niedrigeren Risiko für Demenz einher, allerdings wurde dies nur in einer Studie untersucht. Wer im Beruf körperlich aktiv war, hatte hingegen ein um 20 Prozent erhöhtes Risiko.

„Die Ergebnisse stellen die seit Langem vertretene Annahme infrage, dass ‚jede Bewegung zählt‘, wenn es um die Gesundheit des Gehirns geht“, sagt der Erstautor der Studie, Natan Feter von der University of Southern California.

Doch warum macht es für das Gehirn einen Unterschied, ob man im Fitnessstudio oder auf der Baustelle eine Last hebt? Eine eindeutige Erklärung finden die Forscher nicht. Doch es gibt verschiedene Faktoren, die eine Rolle spielen könnten, sagt Neurowissenschaftler Gerd Kempermann, der am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Dresden zu Demenz forscht. „Der Kontext der Bewegung ist entscheidend.“ Zum Beispiel spiele Stress vermutlich eine große Rolle. „Körperlich anstrengende Berufe finden häufig unter hohem Druck statt“, sagt Kempermann. Es sei etwas anderes, ob man sich selbst vornehme, beim Laufen eine bessere Zeit zu erreichen, oder ob jemand anderes verlange, dass man noch drei Regale mehr einräumt.

Hinzu kommen mögliche Belastungen am Arbeitsplatz: Lärm, Schadstoffe, Hitze, Verletzungsrisiken, wenig Erholungszeit.

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