Nivea von Beiersdorf: »Nicht die nächste Autoindustrie werden«, sagt Vincent Warnery
Unter den Wellness-Marken sticht Nivea heraus. Schlichtes Blau statt knallbunter Verpackungen, konservativer kann man Produkte kaum präsentieren. Doch das traditionelle Versprechen hat sich zuletzt schlechter verkauft, zumal Nivea in den vergangenen Jahren auch immer teurer geworden ist.
Der Chef des Nivea-Mutterkonzerns Beiersdorf , Vincent Warnery, warnt nun gar vor einem Abstieg der europäischen Kosmetikindustrie. Sie könne ihre Vorreiterrolle im internationalen Wettbewerb verlieren, sagte der Vorstandsvorsitzende des Dax-Konzerns der Nachrichtenagentur dpa – und ergänzte: »Wir wollen nicht die nächste Autoindustrie werden.«
Allein im ersten Halljahr sankt der Umsatz des Nivea-Konzerns Beiersdorf insgesamt um 3,5 Prozent auf noch fünf Milliarden Euro . Bei der Kernmarke Nivea sah es noch schlechter aus, hier gingen die Umsätze um 6,8 Prozent zurück. Beiersdorf selbst hatte als Gründe unter anderem Probleme bei der Belieferung des Handels und beim Abverkauf von Innovationen genannt, aber auch den Krieg im Nahen Osten.
Branchennbeobachter hatten Beirsdorfs Versuch kritisiert, die Familenmarke als Luxus zu vermarkten. Eine Offensive mit günstigen Produkten bei Discounterketten soll nun das Geschäft retten. Öffentlich rüttelt Manager Warnery zudem an etwas anderem: »Überfordert uns nicht mit regulatorischen Belastungen«, appellierte er in Richtung EU.
Die europäische Kosmetikindustrie schaffe Arbeitsplätze und Wohlstand. Es bestehe die Gefahr, dass europäische Unternehmen an Wettbewerbsfähigkeit einbüßten, weil Konkurrenten aus Drittländern weniger reguliert würden, sagte Warnery. »Europa muss sehr vorsichtig sein, insbesondere wenn wir uns die USA, China und Korea ansehen, wo viele Vorschriften nicht gelten.«
Der Franzose argumentierte: »Hautpflegeprodukte aus Europa unterliegen bereits jetzt den strengsten Qualitätsstandards. Trotzdem werden wir aufgefordert, bestimmte Inhaltsstoffe aus unseren Formulierungen zu entfernen, auch dann, wenn sie bei normaler Anwendung kein Risiko darstellen.«
Ein weiteres Ärgernis ist aus Warnerys Sicht die Novelle der EU-Kommunalabwasserrichtlinie, die Hersteller von Kosmetika und pharmazeutischen Produkten finanziell zur Verantwortung ziehen soll. Unternehmen wie Beiersdorf sollten hohe Zahlungen leisten, obwohl sie nur für einen geringen Teil der Verschmutzung verantwortlich seien, kritisierte er.
Warnery leitet den Konsumgüterkonzern mit Sitz in Hamburg seit Mai 2021. Der Betriebswirt war zuvor unter anderem für den Branchenriesen L'Oréal aus Frankreich tätig. Weitere europäische Kosmetikunternehmen sind Unilever (Großbritannien), LVMH (Frankreich) und Henkel (Deutschland).
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