Statt anzuhalten, fahren Züge vorbei - Bahn will für Personen im Gleis nicht mehr stoppen
Berlin – Kaum eine Ansage sorgt bei Bahnreisenden für mehr Frust: „Wegen Personen im Gleisbereich verzögert sich unsere Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit.“ Der Zug steht. Minutenlang. Manchmal noch viel länger. Jetzt will die Deutsche Bahn das ändern. DB-InfraGO-Chef Philipp Nagl (44) fordert neue Regeln für „Personen im Gleis“. Sein Vorschlag: Züge sollen in bestimmten Fällen nicht mehr komplett anhalten müssen, sondern mit 40 oder 50 km/h weiterfahren können.
2025 gab es nach Angaben der Bahn 6650 Störungen wegen Personen im Gleis. Bisher gilt: Wird gemeldet, dass Menschen im Gleisbereich unterwegs sind, kann der Zugverkehr gestoppt werden. Die Strecke wird gesperrt, bis die Lage geklärt und der Abschnitt wieder freigegeben ist. Besonders auf stark befahrenen Strecken kann das Folgen haben. Ein einzelner Vorfall kann eine ganze Kette von Verspätungen auslösen.
Philipp Nagl Nagl hält die bisherige Regel für unpraktisch. Sein Vorschlag: Bei Erwachsenen im oder am Gleis sollen Züge einfach mit 40 oder 50 km/h weiterfahren dürfen. Nagl verspricht sich davon vor allem eines: weniger Stillstand, weniger Folgeverspätungen, flüssigeren Bahnverkehr.
Bei Kindern im Gleis soll die Strecke auch künftig gesperrt werden. Auch wenn eine unmittelbare Gefahr besteht oder Einsatzkräfte der Bundespolizei selbst das Gleis betreten müssen, ist ein Halt des Zugverkehrs für Nagl nachvollziehbar. Denn das grundsätzliche Problem bleibt: Züge können Hindernissen nicht einfach ausweichen. Und sie brauchen enorme Strecken, um nach dem Einleiten einer Gefahrenbremsung zum Stehen zu kommen. Bei 100 km/h beträgt der Bremsweg eines Zuges rund 800 Meter. Unter ungünstigen Bedingungen kann er sogar mehr als einen Kilometer betragen. Hinzu kommt: Man hört den Zug oft zu spät, um noch rechtzeitig vom Gleis zu kommen.
Genau hier dürfte die Diskussion jetzt richtig losgehen. Für die Bahn wäre das ein gewaltiger Vorteil im Betriebsablauf. Für Reisende stellt sich allerdings die entscheidende Frage: Wie sicher ist es, weiterzufahren, wenn tatsächlich ein Mensch im Gleis steht?
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