Frankreichs Staatsverschuldung klettert auf höchsten Wert seit fast 50 Jahren
Frankreichs Regierung erwartet in diesem Jahr einen rekordhohe Staatsverschuldung . Die Schuldenquote werde voraussichtlich 119,3 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen, teilte das Finanzministerium mit. Für 2027 werde ein Anstieg auf 121,7 Prozent erwartet. So hoch war der angesammelte Schuldenberg des Staates nach Angaben des französischen Statistikamtes Insee seit 1978 nicht mehr. Damals war die Staatsverschuldung der Franzosen nach den Öklrisen durch den Ausbau des Sozialstaats massiv angewachsen.
Damit liegt die die französische Staatsverschuldung mehr als doppelt so hoch wie die Referenzgrenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), auf die die EU-Mitgliedstaaten hinarbeiten sollen. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Schuldenstand aktuell bei etwa 64,2 Prozent.
Frankreich ist das am drittstärksten verschuldete Land in der Eurozone. Nur Griechenland und Italien haben mehr Schulden. In Spanien sank die Verschuldung im Juli unter 100 Prozent des BIP, die Regierung in Portugal drückte ihre Schulden 2025 unter 90 Prozent des BIP.
Französischen Regierungsdaten zufolge lag die Schuldenquote im Jahr 2025 bei 115,7 Prozent. Im Jahr 2019 hatte sie noch unter 100 Prozent betragen.
Nach den EU-Regeln soll das öffentliche Defizit innerhalb eines Jahres nicht mehr als drei Prozent des BIP betragen. Im vergangenen Jahr erreichte es in Frankreich jedoch 5,1 Prozent. Und die Regierung in Paris rechnet damit, dass es in diesem Jahr auf 5,4 Prozent steigen werde.
Die Prognosen sind Teil einer Erklärung an den Hohen Rat für die öffentlichen Finanzen, der die Haushaltsentwürfe der Regierung prüft. Um die ausufernde Neuverschuldung in den Griff zu bekommen, plant der französische Premierminister Sébastien Lecornu für den Haushalt 2027 Einsparungen in Höhe von 54 Milliarden Euro. Er strebt demnach ein Defizit von fünf Prozent des BIP an. Allerdings hatte der Finanz- und Wirtschaftsminister Roland Lescure dies vor wenigen Tagen als unrealistisch bezeichnet.
Die Durchsetzung dieses Sparkurses im tief gespaltenen Parlament gilt als schwierig, zumal die Wähler wegen der hohen Lebenshaltungskosten Druck ausüben.
Die angespannte Finanzlage und die im kommenden Jahr anstehenden Wahlen sorgen bei Investoren für Unruhe. Der Risikoaufschlag, den Frankreich im Vergleich zu Deutschland am Anleihemarkt zahlen muss, stieg am Freitag auf mehr als einen Prozentpunkt. Dies ist der höchste Wert seit der Schuldenkrise in der Eurozone . Sogar das ehemals krisengeplagte Griechenland leiht sich inzwischen günstiger Geld als die Grande Nation.
Staatsanleihen werden von Staaten ausgegeben, um sich an den Kapitalmärkten Geld zu beschaffen und spielen für den Haushalt vieler Volkswirtschaften eine zentrale Rolle, denn kaum ein Land finanziert seinen Haushalt allein über die laufenden Steuereinnahmen.
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