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Dokumentarfilm über esther ofarim: Deutschland ist mir einfach so passiert

Frankfurter Allgemeine Zeitung ·
Dokumentarfilm über esther ofarim: Deutschland ist mir einfach so passiert

„Ist es richtig, dass Sie die deutsche Staatsangehörigkeit nicht haben?“ Das lächelnde Gesicht der jungen Esther Ofarim strahlt, während sie schweigend mit dem Kopf nickt; dann ist eine Männerstimme zu hören, die für sie antwortet: „ja.“ Die nächste Frage lautet: „Sind Sie überhaupt Europäerin?“ Nein, sie schüttelt den Kopf. „Dann kommen Sie aus einem Land, das ich sehr liebe – Israel, und Sie sind Esther Ofarim.“ Die Masken der vier Fragenden werden abgenommen, die Kamera zoomt heraus. Nun sehen wir, dass der Mann, der für Esther Ofarim geantwortet hat, ihr Mann und Bühnenpartner Abi war. Esther Ofarim lächelt nachdenklich, ihre großen Augen leuchten.

Mit diesem Ausschnitt aus der beliebten westdeutschen Spielshow „Was bin ich?“ aus dem Jahr 1964 beginnt ein eben in Israel gesendeter Dokumentarfilm „Esther“ von Shaked Goren. Der Film, der Anfang Oktober auf dem Hamburger Filmfestival seine Deutschland-Premiere hat, versucht das flüchtige Bild der Künstlerin nachzuzeichnen, ein Leben, das zwischen widersprüchlichen Geschichten gefangen ist, die nicht in Einklang zu bringen sind. Intime Telefongespräche von ihrem Zuhause in Hamburg mit dem Filmemacher in Tel Aviv (die Künstlerin weigert sich heute, gefilmt zu werden) dienen als roter Faden, der die Fragmente ihres Lebens in Gestalt einer Fülle von faszinierenden Archivaufnahmen miteinander verbindet. Diese sind elegant, schnell und verführerisch geschnitten und stehen im Kontrast zu ihrem melancholischen Thema, abgesehen von den langsamen Einstellungen von Hamburg im Schnee, die man von einem Fenster aus sieht.

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Nicht im Dokumentarfilm zu sehen ist diese Szene: Eine junge Sängerin singt einen deutschen Schlager: „Morgen ist alles vorüber“. Ihr strahlendes Gesicht wird von ihrem schwarzen Haar eingerahmt, das wie eine kantige Perücke gestylt ist. Allmählich taucht hinter ihr ein Bühnenbild auf, das leicht schimmert, während sich das Kameraobjektiv auf das singende Gesicht konzentriert. Ein Gegenlicht erzeugt einen Heiligenschein um ihren Kopf.

Auf dem Höhepunkt des Lieds – „Lang schon fühl ich im Herzen, dass es so kommen muss“ – ist auf Ofarims Lippen ein unwillkürliches Zucken zu sehen, als sie das Wort „muss“ ausspricht. Diese Bewegung – oder vielleicht eine Bewegung äußerster Beherrschung – scheint die singende Stimme vom Gesicht zu trennen, als öffne sich ein Riss im Geflecht von Zeit und Raum, der die Naht der Synchronisation öffnet.

Der flüchtige Augenblick des Aussprachekrampfs stand, digital verlangsamt, im Zentrum einer Videoinstallation von Moshe Ninio. Die Arbeit, deren Titel „Morgen“ sich an den des Liedes anlehnt, wurde erstmals in der Einzelausstellung „Lapse“ von Moshe Ninio im Jahr 2016 im Jüdischen Museum in Paris gezeigt.

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