Angriffe auf die Ukraine: Ukraine meldet mehrere russische Angriffe auf das Bahnnetz
Die Ukraine hat Russland einen systematischen Angriff auf ihr Eisenbahnnetz vorgeworfen. Wegen landesweiter Angriffe seien das Überwachungszentrum und das gesamte Personal der ukrainischen Bahn »in höchster Alarmbereitschaft«, teilte die staatliche Bahngesellschaft mit. Sie warnte vor möglichen Umleitungen, Evakuierungen und Verspätungen von Zügen.
Zuvor hatte eine russische Drohne nahe der Grenze zu Polen einen Zug getroffen, der von Kyjiw nach Warschau unterwegs war. Dies bestätigte der polnische Bahnbetreiber PKP Intercity. An Bord hätten sich 206 Fahrgäste befunden. Verletzt wurde demnach niemand.
Bei dem Zwischenfall sei die Lokomotive in Brand geraten, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. Auch das russische Verteidigungsministerium bestätigte Angriffe auf Objekte der Eisenbahninfrastruktur in der Westukraine . Sie würden den Transport von Militärgütern aus europäischen Ländern gewährleisten, hieß es.
Eine weitere Drohne schlug nach polnischen Angaben in der Nähe des Grenzübergangs Dorohusk-Jahodyn ein. Behördenangaben zufolge griff Russland dort eine Tankstelle an. Zwei Lastwagen gerieten demnach in Brand. Der Grenzübergang sei nach dem Angriff etwa 800 Meter von polnischem Gebiet entfernt vorübergehend geschlossen worden, teilte ein Sprecher der polnischen Grenzwache mit. Später sei der Betrieb wieder aufgenommen worden.
»Wir nehmen solche Vorfälle äußerst ernst«, sagte der polnische Innenminister Marcin Kierwiński. »Die Lage wird fortlaufend überwacht.« Infolge der Angriffe warf die polnische Regierung Russland zudem eine Verschärfung des Konflikts vor. »Putin eskaliert«, schrieb Außenminister Radosław Sikorski auf X. Regierungschef Donald Tusk rief für den Nachmittag einen Krisenstab zusammen. Russland werde seine Angriffe in den kommenden Wochen und Monaten noch verstärken, warnte Tusk. Er könne »nicht ausschließen, dass diese Eskalation auch unser Territorium betreffen wird«.
Laut einem Bericht des Spiegels musste infolge der Drohnenangriffe in der Nähe der ukrainisch-polnischen Grenze auch ein privat gecharterter Sonderzug teilweise evakuiert werden. Gegen fünf Uhr morgens habe der Zug unweit der polnischen Grenze gestoppt. An Bord dieses Zuges befanden sich demnach mehrere Politiker, die zuvor für Beratungen in Kyjiw waren. Laut dem Bericht war mit dem außen- und sicherheitspolitischen Berater im Kanzleramt, Günter Sautter, auch einer der engsten Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) an Bord.
In einer Mitteilung der ukrainischen Eisenbahngesellschaft hieß es, der Zug habe erst kurz vor dem Angriff, bei dem die Lokomotive des anderen Zuges getroffen wurde, am Bahnhof Jahodyn gehalten. An Bord des Zuges hätten sich unter anderem Sicherheitsberater mehrerer EU-Mitglieder sowie ehemalige europäische Spitzenpolitiker befunden, darunter der ehemalige britische Premierminister Boris Johnson. In einem weiteren Zug, der zum Angriffszeitpunkt am Bahnhof stand, befand sich laut der Eisenbahngesellschaft der frühere CIA-Chef David Petraeus.
Der Bundestagsabgeordnete Robin Wagener war laut dem Bericht des Spiegels ebenfalls mit dem gecharterten Sonderzug unterwegs.
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