Tag des Handwerks - Sie baut Räder für Weltmeister
Kassel - Auf ihren Rädern turnen Kinder, Profis und Artisten. Jedes Kunstrad entsteht in Handarbeit bei einer einzigen Frau: Carina Hubach (35). Sie hat ihre große Leidenschaft zum Beruf gemacht und ist damit die einzige Handwerkerin deutschlandweit.
Ein paar Klicks, dann steht ihr Traumrad zumindest auf dem Bildschirm: petrolfarbener Rahmen, weiße Akzente, schwarzer Lenker, schwarze Felgen. Carina Hubach weiß ziemlich genau, wie ihr neues Kunstrad einmal aussehen soll. Gebaut hat sie es trotzdem noch nicht. „Wir hatten jetzt in letzter Zeit einfach so viel zu tun, dass die Kunden natürlich erst mal vorgingen“, sagt sie. „Und mein Fahrrad kommt dann auch noch irgendwann.“
In ihrer Werkstatt in Hessen entstehen Fahrräder für eine ganz besondere Sportart: Kunstradfahren. Carina Hubach führt den Betrieb seit 2024. Rund 90 Prozent der Arbeiten übernimmt die Unternehmerin nach eigener Aussage allein.
„Es ist alles Handarbeit“, sagt sie. Die Maschinen in ihrer Werkstatt seien Handmaschinen und würden ebenfalls von ihr geführt werden. Es gebe keine große Anlage, in die sie ein Bauteil hineinschiebe und aus der es fertig wieder herauskomme.
Ein Kunstrad sieht nur auf den ersten Blick wie ein normales Fahrrad aus. Es besitzt zwei Räder, ist aber so konstruiert, dass Sportlerinnen und Sportler darauf turnen und komplizierte Figuren ausführen können. Und es hat keine Bremsen.
„Wir können uns auf den Lenker und Sattel stellen, können ganz viele Tricks machen zum Beispiel mit dem Vorderrad in der Luft“, erklärt Carina Hubach. Die Räder seien so gebaut, dass diese Tricks möglichst leicht gelernt und ausgeführt werden können.
Auch der Antrieb ist ungewöhnlich. Statt einer klassischen Fahrradkette läuft ein Riemen durch den Rahmen. Er arbeitet besonders ruhig und ermöglicht den direkten Wechsel zwischen vorwärts- und rückwärtsfahren.
„Ich sage immer, ich baue Panzer“, sagt sie über ihre Räder. Sie sollen möglichst lange halten, denn ein großer Teil ihrer Kundschaft besteht aus Vereinen. Beim Training fallen Kunsträder immer wieder zu Boden. Deshalb verwendet Hubach Stahl und baut Rahmen so, dass einzelne Rohre bei einem Schaden ausgetauscht werden können. Ein kompletter Rahmen muss dadurch nicht sofort entsorgt werden. Es ist ihr wichtig, dass möglichst viele Sportler langfristig damit trainieren können. In jedem Rad stecken viele Stunden Arbeit. „Ich habe 40 Stunden mit diesem Fahrrad verbracht, bevor überhaupt der erste darauf losfahren kann“, sagt die Unternehmerin.
Dass Carina Hubach genau weiß, was ihre Kunden brauchen, liegt an ihrer eigenen Geschichte. Schon mit viereinhalb Jahren begann sie mit dem Kunstradfahren. Auf alten Bildern ist sie später in einer Übung zu sehen, bei der das Vorderrad in der Luft steht und sie selbst in einer ungewöhnlichen Position auf dem Fahrrad turnt.
Nach dem Abitur studierte sie zunächst Sportwissenschaft, anschließend Sportingenieurwesen im Master. Danach begann sie als Aushilfe im Vorgängerbetrieb. Sie wollte nicht nur am Computer sitzen, sondern etwas mit den Händen herstellen und am Ende sehen können, was sie geschaffen hatte. Acht Jahre arbeitete sie sich bis zur Abteilungsleitung hoch.
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