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Seriensieger wie Pogačar: Das Glück liegt im Augenblick

Frankfurter Allgemeine Zeitung ·
Seriensieger wie Pogačar: Das Glück liegt im Augenblick

Die armen Reporter. Kaum ist die Vuelta vier Tage unterwegs, müssen sie sich von der Spitze abwenden. Weil, holla, der Radmeister aus Slowenien, Tadej Pogačar, keine große Lust hat auf spannende Verzögerungen bei der Spanienrundfahrt der Radprofis. Saust am Fuß eines Berges nach gut fünfzig Kilometern los, als sei gerade die Aufwärmphase vorbei, und fährt etwa fünfzig Kilometer, bergauf, bergab auf Solotour ins Ziel. Was haben sich die Herren am Mikrofon bemüht, dem Rennen der weitaus Zweitbesten Spannung zu verleihen. Ist Pogačar ein Störfaktor?

Es gibt schon noch andere Phänomene dieser Art, Sportler mit einer unglaublichen Leistungsfähigkeit. Neulich erst bei den Europameisterschaften der Leichtathleten in Birmingham: Nicht gesehen? Ein Hingucker. Vor allem, weil Armand Duplantis erst mal zuschaut beim Stabhochsprung. Wie sich die Kollegen biegen, strecken und – viele – vergeblich recken. Dann hüpft er mal eben über das, was andere ihre Traumhöhe nennen. Und beginnt seine Flugshow. Doch, doch, er hat mal verloren, im Juni, nach drei Jahren oder 40 Wettspringen .

Wir gehen hin, zum Fußball, hat einst der deutsche Fußball-Bundestrainer Sepp Herberger sinngemäß behauptet, weil wir nicht wissen, wie es ausgeht. Man könnte inzwischen daran zweifeln, so beim Blick auf die Nationalmannschaft oder den FC Bayern . Aber der Mensch schaut trotzdem immer wieder auf Typen wie Pogačar oder Duplantis oder Schachgenie Magnus Carlsen, der 125 Partien in Serie nicht verlor. Das ist kein neuzeitlicher Kram. Martina Navratilova gelangen in den Achtzigern mal 74 Einzelsiege auf dem Tennisplatz – am Stück. Wie machte sie das nur?

Das ist der Punkt. Faszinierender als das nackte Ergebnis ist der Weg zum Erfolg. Diese Angriffslust von Pogačar, aus der seine ganze Leidenschaft spricht, als könne er in der durchorganisierten, an Rechnern simulierten, aufs Kleinste abgestimmten Wettkampfwelt des Hochleistungssports mitunter nicht anders, als seinem Herz zu folgen. Vielleicht sieht es nur so aus, aber es wirkt so, als entschiede er im Verlauf eines Rennens instinktiv, was er zu tun gedenkt. Wer wollte den Augenblick und die Stunde des großen Sports verpassen?

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Ja, es gibt Gründe, das Lied der Langeweile anzustimmen. Diesen Momenten mit der Klage, nichts Spannendes zu fühlen, das Besondere zu nehmen, weil niemand in der Nähe ist, die Pogačars dieser Welt zu schlagen. Das hängt auch mit dem ständigen Blick in die Zukunft zusammen. Mit diesem Fokus auf die Meisterschaft als Summe aller Wettkämpfe einer Saison. Sie wird zu Recht, vor allem von den Athleten, höher eingeschätzt als ein Tagessieg. Konstanz auf höchstem Niveau unterscheidet Champions von sehr guten Konkurrenten.

Die Idee von Meisterschaften über viele Monate entwickelte sich stark im Zuge der Kommerzialisierung. Weil sie gewinnbringende Konstruktion sind, Plattformen für Sponsoren, TV-Anstalten. Nicht selten verändert die Lust auf den Gesamtsieg das Verhalten der Titelkandidaten auf der Straße, in den Arenen.

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