Tischlermeisterin Jule Rombey - Ihr Aufstieg ist Maßarbeit
Selfkant – Holz im Blut und Sägemehl im Haar. Jule Rombey zeigt eindrucksvoll, wie lebendig traditionelles Handwerk heute ist. Als Tischlermeisterin nimmt sie ihre große Instagram-Community täglich mit in die Werkstatt. Ihr Spezialgebiet: maßgefertigte Treppen aus Massivholz. Für die 27-Jährige sind das keine bloßen Stufen, sondern millimetergenaue Konstruktionen für Generationen.
Bereits als kleines Mädchen schaute Jule ihrem Vater Frank Rombey (61) fasziniert in seiner winzigen 48-Quadratmeter-Garagenwerkstatt über die Schulter. Für sie stand fest, den Beruf von der Pike auf zu erlernen. Nach ihrer Ausbildung zog sie mit 19 Jahren ins bayerische Ebern, um den Meistertitel dranzuhängen. Heute arbeitet das erfolgreiche Vater-Tochter-Gespann in einer 800 Quadratmeter großen Halle mit Lager im nordrhein-westfälischen Selfkant. Jules Traum: den Betrieb später einmal an die nächste Generation zu übergeben.
Der Fokus ihres Unternehmens liegt ganz auf dem Treppenbau. Dabei verbindet Jule modernste Technik mit Tradition: Gearbeitet wird mit höchster Präzision, im Kern nur mit Holz, Leim und Schrauben – teilweise wie vor 500 Jahren. Für die Tischlermeisterin ist eine Treppe heute ein echtes Designobjekt, das im Haus voll zur Geltung kommt. Diese Faszination lebt sie auch privat: In ihrer eigenen Wohnung liebt sie ihre selbst gebaute, freischwebende Kragarmtreppe mit Glasgeländer.
Auf ihr Schaffen ist Jule stolz, denn sie weiß, dass das Handwerk oft unterschätzt wird. Zu Unrecht! „Ein Meistertitel ist heute genauso viel wert wie ein Bachelor-Abschluss“, betont die 27-Jährige. Zudem räumt sie mit Vorurteilen auf: In der Handwerksbranche lässt sich heute gutes Geld verdienen. Dass der Ton auf der Baustelle häufig etwas rauer ist, stört sie nicht: Wenn ein Spruch fällt, kontert sie schlagfertig und man lacht gemeinsam. Vor schweren Lasten hat Jule keine Angst: „Während der Arbeit weiß ich mir einfach mit Gabelstapler, Hubwagen und Seilwinde zu helfen.“
Ihre enorme Social-Media-Reichweite nutzt die Tischlermeisterin geschickt, um Jugendliche für das Handwerk zu begeistern. „Als ich mich vor elf Jahren für eine Lehre entschied, war ich als Mädchen noch die absolute Ausnahme“, erinnert sich Jule. „Heute trauen sich zum Glück immer mehr Mädchen in die Werkstätten.“ Dass sich die Branche wandelt, ist auch ihr Verdienst. Seit ihrer Wahl zur „Miss Handwerk 2020“ hat sie das Netzwerk #TeamHandwerkHilft aufgebaut. Rund 40 Handwerker, vom Auszubildenden bis hin zum Meister, gehen in Schulen, um Jugendlichen die Freude am Handwerk zu vermitteln.
Haben Sie Fehler entdeckt? Möchten Sie etwas kritisieren? Dann schreiben Sie uns gerne!
5News hat diese Zusammenfassung aus dem öffentlichen Feed der Quelle übernommen. Der vollständige Artikel mit allen Details steht auf www.bild.de — der Inhalt gehört Bild.