"Geisel der Politik" - das Goethe-Institut in Russland
Bis zu diesem Sonntag (13. September) werden sämtliche Standorte des deutschen Goethe-Instituts in Russland geschlossen. Grund dafür ist die schwerwiegendste Krise in der Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen.
Das russische Außenministerium ordnete die Schließung der deutschen Kulturzentren in Moskau, St. Petersburg und Nowosibirsk an. Dies ist eine Reaktion auf Berlins Antwort auf den versuchten Drohnenangriff am Flughafen Leipzig Anfang August. Die Deutschen Behörden machten Moskau für diesen Angriff verantwortlich und kündigten Sanktionen an. Dazu zählen die Schließung des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur in Berlin und des russischen Generalkonsulats in Bonn ebenso wie die Verschärfung der Visumsbedingungen für russische Staatsangehörige.
"Alle Kolleginnen und Kollegen des Goethe-Instituts in Russland müssen zum 13. September ihre Arbeit niederlegen", stellte Gitte Zschoch, Generalsekretärin des Goethe-Instituts in einer Erklärung klar. "Kein Buch kann in unseren Bibliotheken mehr ausgeliehen, keine Fortbildung mehr angeboten werden und Deutschlehrkräfte verlieren eine wichtige Anlaufstelle für Austausch, Qualifizierung und Unterstützung. Der Zugang zur deutschen Sprache, Kultur und verlässlichen Informationen über Deutschland wird dadurch weiter eingeschränkt."
Die DW hat ihre Nutzenden in Russland gefragt, welche Konsequenzen die Schließung der Goethe-Institute für sie persönlich haben wird. Die Antworten, die wir erhalten haben, stellen keine repräsentative Umfrage dar. Alle Befragten berichteten ihre Geschichten unter der Bedingung, dass ihre Anonymität gewahrt bleibt. Russische Behörden haben die DW als "unerwünschte Organisation" eingestuft, jede Zusammenarbeit mit dem Medienunternehmen gilt daher als Straftat.
Viele DW-Nutzende äußern die Befürchtung, dass sie oder ihre Familienangehörigen nach der Schließung der Goethe-Institute nicht mehr in der Lage sein werden, in Russland Prüfungen abzulegen, um international anerkannte Deutschzertifikate zu erwerben.
Einige weisen darauf hin, dass die Schließung der Institute in Russland ethnische Deutsche oder Spätaussiedler, die gerne nach Deutschland umsiedeln würden, besonders hart treffen werde.
"Ich lebe nicht mehr in Russland, ich bin als Spätaussiedler ausgewandert, aber meine Eltern leben noch immer in Russland und wollten in diesem Herbst oder Winter ihre Prüfungen am Goethe-Institut ablegen, bevor sie ihren Aufnahmebescheid beantragen. Jetzt sieht es so aus, als müssten sie dafür in ein anderes Land reisen. Das bedeutet zusätzlichen Stress und zusätzliche Kosten", macht ein Leser deutlich.
Auch Eltern, deren Kinder Deutsch lernen und planen, ihre Ausbildung in Deutschland fortzusetzen, antworteten der DW. "Mein Sohn geht auf eine deutsche Schule und kann die Prüfung jetzt nicht in Russland ablegen. Wir werden in ein anderes Land reisen müssen", heißt es in einer Nachricht.
Unklar ist, ob Prüfungen, Sprachkurse und Bildungsprogramme in anderer Form oder über Partnerorganisationen weiter angeboten werden können.
5News hat diese Zusammenfassung aus dem öffentlichen Feed der Quelle übernommen. Der vollständige Artikel mit allen Details steht auf www.dw.com — der Inhalt gehört Deutsche Welle.