Langlebigkeit - Hype oder wissenschaftlich belegbar?
Interview Longevity-Kongress in Hamburg Langlebigkeit - Hype oder wissenschaftlich belegbar? Stand: 22.08.2026 • 13:35 Uhr
Wie kann es gelingen, möglichst gesund alt zu werden? Ist Longevity nur ein Hype oder gibt es wissenschaftliche Fakten? Ein Kongress im September will informieren. Initiator Kluge rät im Interview zur Vorsicht.
tagesschau.de: Eine gesunde Lebensführung, wie sieht die aus Ihrer Sicht als Facharzt für Innere Medizin aus?
Stefan Kluge: Unsere Lebenserwartung wird zum einen durch unsere Gene definiert, die spielen zu 20 bis 30 Prozent eine Rolle - aber zu einem Großteil haben wir es in der Hand, wie alt wir werden. Und da sind die wichtigsten Maßnahmen eigentlich bekannt und erstaunlich unspektakulär: nicht rauchen, regelmäßig bewegen, Übergewicht vermeiden, ausgewogen essen, ausreichend schlafen und Risikofaktoren wie Blutdruck und Blutzucker adäquat kontrollieren.
Stefan Kluge Prof. Dr. med. Stefan Kluge ist Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, sowie Spezielle Internistische Intensivmedizin. Er ist der Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und wissenschaftlicher Leiter des Longevity Forums Deutschland. Forschung sucht nach Langlebigkeit tagesschau.de: Die Forschung zum Thema Langlebigkeit gibt es schon sehr lange. Welche Themen spielen da eine Rolle?
Kluge: Diese klassischen Dinge, die ich eben genannt habe, werden natürlich weiter erforscht. Man versucht herauszuarbeiten, wie viel Sport besonders hilfreich ist beim Thema Langlebigkeit und welche Art von Sport? Welche Belastungen sind sinnvoll - ist die Herzfrequenz dafür wichtig, oder mache ich das an anderen Dingen fest?
Oder beim Schlaf - über welche Schlafqualität reden wir und welche Dauer von Schlaf ist hilfreich?
Und dann gibt es natürlich neue Forschungen. Zum Beispiel wurde gezeigt, dass bei Tierexperimenten mit Medikamenten oder gewissen Ernährungsumstellungen das Leben wirklich verlängert wurde - im Tiermodell. Es gibt Versuche, insbesondere in den USA, das auf den Menschen zu übertragen. Auch wenn das noch Zukunftsmusik ist.
Gleichzeitig sehen wir natürlich, dass die KI und die Vermessung des Körpers durch verschiedene Sensoren und Wearables, etwa Smartwatches oder Fitnesstracker, auch immer weiter gehen. Und da gibt es sicherlich in Zukunft schon einige Möglichkeiten, um uns bei der Langlebigkeit zu unterstützen.
Prof. Dr. Stefan Kluge, Direktor Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf und wissenschaftl. Leiter Longevity Forum Deutschland Anja Martini, ARD-aktuell, Das Erste, 22.08.2026 • 10:00 Uhr Relevanter gesundheitlicher Nutzen tagesschau.de: Rund um dieses Thema hat sich auch ein Riesenmarkt entwickelt. Nahrungsergänzungsmittel spielen eine sehr große Rolle. Wie sicher sind denn Erkenntnisse zu diesen Supplements?
Kluge: Wir haben viele Hypes und Trends, die jetzt die letzten Jahre aufgekommen sind. Oft spielen hier auch kommerzielle Interessen eine wichtige Rolle - und da muss man sehr aufpassen. Immer wenn Dinge nicht erstattet werden durch die Krankenkassen und viel Geld kosten, dann sollte man besonders hellhörig sein.
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