EU-Kommissar zu Deal mit Trump: "Es war eine der größten Herausforderungen, die ich je bewältigen musste"
In Brüssel gilt Maroš Šefčovič als Problemlöser. Das Zoll-Abkommen mit der US-Regierung habe ihm aber besonders viel abverlangt, sagt der EU-Handelskommissar. Auch im Streit über chinesische Überkapazitäten vermittelt Šefčovič - und vernimmt erste positive Signale aus Peking.
ntv.de: Der Handelsdeal zwischen der EU und den USA vom vergangenen Sommer sollte den transatlantischen Handel wieder berechenbar machen. Die EU hat die Zölle für US-Industrieprodukte auf null gesenkt, den USA dagegen wurde ein Basiszoll von 15 Prozent auf alle europäischen Einfuhren zugestanden. Trump aber hat noch zusätzlich Zölle von 50 Prozent auf europäischen Stahl und Aluminium erhoben. Was hat Europa für seine Zugeständnisse bekommen?
Maroš Šefčovič: Für mich war das Wichtigste, so viel Stabilität und Vorhersehbarkeit wie möglich in die wichtigste Handelsbeziehung der Welt zu bringen. In dieser Hinsicht kann ich sagen: Wir Europäer sind erfolgreicher als alle anderen Handelspartner der USA. Dass der transatlantische Handel im vergangenen Jahr tatsächlich gewachsen ist, ist ein Beweis dafür.
Wir sprechen gemeinsam mit unseren US-Partnern intensiv über alle möglichen Themen - etwa über Überkapazitäten oder die Behauptung der US-Regierung, die EU unterbinde den Import von Waren aus Zwangsarbeit nicht wirksam genug. Absolute Priorität hat für uns dabei, am Turnberry-Abkommen festzuhalten. Die von Ihnen genannten Produktkategorien, darunter Stahlderivate, bringen wir immer wieder auf den Tisch.
Ja, kurz vor dem Sommer wurde die Zahl der Produkte erhöht, die unter den Basiszoll von 15 Prozent fallen – etwa Motorräder, Maschinen und viele weitere Produkte. Sie haben allerdings recht: Es gibt weiterhin Produktkategorien, für die Zölle von mehr als 15 Prozent gelten. Deshalb habe ich schon im vergangenen Jahr klargemacht, dass unsere Zollsenkungen für US-Produkte davon abhängen, wie diese Frage der Stahl- und Aluminiumzölle behandelt wird. Ich hoffe, dass uns, nachdem wir für viele andere Probleme Lösungen gefunden haben, das auch in diesem Fall gelingt.
Vor Kurzem drohte der US-Präsident der EU mit höheren Zöllen, nachdem sie Google wegen illegaler Handelspraktiken mit einer Geldstrafe belegt hatte. Glauben Sie, dass sich Trump überhaupt an das Abkommen halten will?
Bei solchen Verhandlungen müssen wir uns anstrengen, der anderen Seite zu vertrauen. Ohne Vertrauen können wir keine Vereinbarung erreichen. Trotz aller Turbulenzen und extrem schwieriger Verhandlungen haben wir es geschafft, eine Lösung im Handelsstreit zu finden. Es war eine der größten Herausforderungen, die ich je bewältigen musste. Aber wir haben es geschafft.
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