Mit Steffen Krach auf Platz fünf: Die "Zäsur" von Berlin ist das ehrlichere SPD-Ergebnis
Bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin läuft die SPD auf Platz fünf ins Ziel - mit voraussichtlich 12 Prozent, wie in den bundesweiten Umfragen. Das Desaster für die einstige "Berlin-Partei" weist weit über die Hauptstadt hinaus, denn die SPD verliert zunehmend die Städte.
SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach kann die Schuld für das katastrophale Ergebnis seiner SPD in Berlin nicht einmal auf die niedersächsische Staatsanwaltschaft schieben. Die Partei ist bei der Abgeordnetenhauswahl auf Platz fünf gelandet mit einem historisch schlechten Wert, den sie so schon in den vergangenen Wochen in den Umfragen hatte. Lange bevor die Korruptionsermittlungen gegen Krach öffentlich wurden. Die SPD spielte im Rennen um das Rote Rathaus nicht einen Moment lang auch nur den Hauch einer Rolle. Und das in der Hauptstadt, wo die Partei seit der Jahrtausendwende 22 Jahre den Regierenden Bürgermeister stellte; wo mit Ernst Reuter, Willy Brandt und Klaus Wowereit sozialdemokratische Ikonen das Zepter schwangen. Doch mit 12 Prozent wie in den bundesweiten Umfragen ist das Ergebnis auch ehrlicher für die SPD als der Sonderfall Manuela Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern.
Gut möglich, dass Steffen Krach über dieses Wahlergebnis gestürzt wird und schon bald (Kurz-)Geschichte ist. Zu einfach und deshalb auch zu verführerisch ist es für die übrige Partei, dem vermeintlich Auswärtigen allein die Schuld für das Ergebnis zu geben. Krach war als gebürtiger Niedersachse und zuletzt beurlaubter Regierungspräsident der Region Hannover von den damaligen Landesvorsitzenden Nicola Böcker-Giannini und Martin Hikel die Spitzenkandidatur in der Hauptstadt angetragen worden. Krach, früher Staatssekretär unter dem SPD-Regierenden Michael Müller, galt als echter Coup: jung, dynamisch, vorzeigbar und unvorbelastet von der ausgehenden Regierungszeit, in der die SPD als Juniorpartner der CDU den maximal unbeliebten Senat komplettierte.
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