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Tata: Führungschaos in Indiens größtem Konzern

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Tata: Führungschaos in Indiens größtem Konzern

Es war eine Meldung, die nicht nur Indiens Wirtschaftskreise schockte. Was als Gerücht bereits am Nachmittag von der indischen Finanzpresse verkündet worden war, sollte sich am Abend bestätigen: Im indischen Tata-Konzern, dem größten Konglomerat des 1,4 Milliarden Einwohner zählenden Landes, ist die Führungskrise perfekt.

Chairman N. Chandrasekaran, der erst vor ein paar Wochen angekündigt hatte, über seinen im Februar endenden Vertrag hinaus nicht mehr an der Spitze der Holdinggesellschaft Tata Sons bleiben zu wollen, soll nun doch bleiben. Der Verwaltungsrat entschied, dass der Chandra genannte Chef nun doch fünf weitere Jahre bleiben solle. Er soll die wohl größte Umwälzung in der Geschichte der fast 160 Jahre alten Gruppe vollziehen: den Gang Tatas an die Börse.

Dort sind zwar Tata-Einzelunternehmen wie der IT-Berater TCS gelistet, der in München und Villingen-Schwenningen Software für die deutsche Autoindustrie entwickelt. Auch Tata Steel ist börsennotiert ebenso wie die Konsumentensparte, die unter anderem Tee herstellt. Auch die Hotels sowie die Energie- und Chemiesparte sind gelistet. Doch Aktien der Holding Tata Sons selbst sind nicht am Markt zu erwerben, was sich nach Anweisung der Reserve Bank of India nach jahrelanger Prüfung nun ändern soll. Schließlich müssen sich in Indien Unternehmen mit Vermögenswerten von einer Billion Rupien (rund 18 Milliarden Euro) dem Kapitalmarkt öffnen. Tatas Bilanzsumme beträgt in etwa das Doppelte.

Die Logik hinter der Vorschrift ist Vorsicht. Je größer und damit für das Finanzsystem des Landes relevanter eine Holding wie Tata Sons ist, desto stärker soll sie wie eine Bank kontrolliert werden, auch von den Transparenzpflichten an der Börse. Damit will der Gesetzgeber verhindern, dass ein Riese wie Tata in einer Krise das halbe indische Wirtschaftssystem ins Wanken bringt. Offensichtlich sieht auch die Regierung von Ministerpräsident Narendra Modi bei Tata genau dieses systemische Risiko. Mit ihr sei die Aufforderung der Zentralbank abgestimmt gewesen, sind sich die Beobachter in Indien einig.

Bei Tata gibt es vor allem einen mächtigen Mann, der sich seit Jahren gegen den Börsengang stemmt: Noel Tata, der 68 Jahre alten Halbbruder des früheren Konzernpatriarchen Ratan Tata und Vorsitzender des Tata-Mehrheitseigners Tata Trusts. Das ist ein Stiftungsverbund, der mit den Tata-Milliarden viel Gutes tut und sich als Bewahrer des Erbes der Familie ansieht, die sich nie nur als Unternehmer, sondern auch als Patriot beim Aufbau Indiens zur reichen Industrienation begriffen hat.

Noel Tata ist das einzige Mitglied im Tata Sons-Verwaltungsrat, der am Donnerstag nicht für eine Verlängerung des Vertrags von Chairman Chandra gestimmt hat. Schließlich hatte dieser seinen früheren Rücktritt intern damit begründet, das Vertrauen des größten Eigners Tata Trust und dessen Lenkers verloren zu haben.

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