Mehr als Schlagen und Treten - So trainiert Kung-Fu Körper und Geist
Kung-Fu ist viel mehr als Schlagen und Treten. Die chinesische Kampfkunst verbindet Selbstverteidigung mit Disziplin, harter Arbeit und einer Philosophie fürs Leben. Der Begriff lässt sich mit „geduldiger Arbeit“ übersetzen und steht auch für „gute Fähigkeiten“ oder „harte Arbeit“.
Vor über 2000 Jahren entstand Kung-Fu in China. Es wurde im Militär und in Klöstern unterrichtet. Heute sind fast 400 verschiedene Stile bekannt. Zu den bekanntesten gehören Wing Chun, Shaolin und Tai-Chi.
Kung-Fu soll Körper und Geist gleichermaßen fordern. Disziplin, Achtsamkeit und Geduld gehören zu den grundlegenden Werten. Im Mittelpunkt steht die Selbstverteidigung. Gleichzeitig geht es darum, eigene Schwächen zu überwinden und sich körperlich und mental weiterzuentwickeln. Dazu gehört es auch, Schmerzen auszuhalten, wie Kung-Fu-Star Sacha Wenk in einem Interview verrät. Bekommt er im Training Schläge mit Bambusstöcken, „lade ich mich positiv auf und stelle mir einfach vor, dass ich von innen strahle und mich freue.“
Griffe, Würfe, Tritte und Schläge gehören ebenso zum Training wie Dehnung und ständig wiederholte Bewegungsabläufe. Schattenboxen kann Geschwindigkeit und Reflexe verbessern, Partnerübungen bereiten auf wechselnde Gegner vor.
Wing Chun setzt auf schnelle und automatische Reaktionen. Mit bestimmten Schritttechniken und Wendungen lenkt der Kämpfer die Kraft des Gegners um und nutzt sie gegen ihn. Typisch sind kurze, gerade Bewegungen. Ein berühmter Vertreter war Yip Man, der später auch Bruce Lee in Wing Chun einführte.
Shaolin ist eine der ältesten Formen der Kampfkunst. Sie verbindet Selbstverteidigung mit innerer Stärke und disziplinierter Körperbeherrschung.
Beim Shaolin-Kung-Fu kommen Schlag-, Block-, Tritt- und Würgetechniken zum Einsatz. Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit spielen eine wichtige Rolle. Zugleich werden Disziplin, Respekt und Selbstbeherrschung vermittelt. Auch Meditation gehört dazu. Heute nutzen Menschen Shaolin zudem für körperliche und geistige Fitness . Sacha Wenk erklärt das am Beispiel der Plank-Übung: „Wenn man nach drei Minuten aufgeben möchte, sagt der Lehrer: ‚Wenn du jetzt weitermachst, erinnere dich später in deinem Leben in einer schwierigen Situation an diesen Moment und daran, dass du damals auch nicht aufgegeben hast.‘“
Tai-Chi setzt dagegen auf sanfte, fließende Bewegungsabläufe. Atmung, Körperspannung und Achtsamkeit spielen eine wichtige Rolle. Das beansprucht und dehnt Gelenke, Sehnen und Muskeln.
Kung-Fu ist für jeden geeignet, der die Techniken lernen möchte. Voraussetzungen gibt es nicht. Regelmäßige Wiederholungen trainieren Ausdauer, Beweglichkeit und Kraft.
Dabei bleibt Kung-Fu mehr als eine reine Kampfkunst. Schüler sollen niemandem Leid zufügen, sondern schützen. Wie Yip Man seinen Schülern mitteilte: „Die wahre Tugend des Kampfes ist die Menschlichkeit.“
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