"Maul zu, Frau Merkel!": Mélenchon tritt an, um den deutsch-französischen Motor zu sprengen
Jean-Luc Mélenchon warnt die Franzosen vor der Aufrüstung Deutschlands und dem angeblichen Spardiktat aus Berlin. Der Linkspopulist beschwört das deutsche Feindbild im Wahlkampf immer wieder. Mit Erfolg: Im Rennen um das Präsidentenamt kann er die Stichwahl erreichen.
Im April könnten die Franzosen die Wahl zwischen zwei Extremen haben. Ein mögliches Szenario nach aktuellen Umfragen: Neben Marine Le Pen vom rechtsextremen Rassemblement National schafft es der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon von La France insoumise in die Stichwahl fürs Präsidentschaftsamt. Trotz ihrer verfeindeten Lager liegen Le Pen und Mélenchon bei außenpolitischen Themen nicht weit auseinander: In Russland sehen sie keine existenzielle Gefahr für Frankreich, die Nato finden beide überbewertet, als Feindbild dient ihnen die Europäische Union – weil die angeblich dem Diktat deutscher Interessen unterworfen ist.
In all diesen Punkten gibt sich Mélenchon noch extremer als Le Pen, vor allem bei seiner Polemik gegen die Deutschen. Während Le Pens Misstrauen gegenüber Deutschland und der EU nationalistisch begründet ist, speist sich Mélenchons scharfe Kritik an Berlin und Brüssel aus einer linkspopulistischen Tradition: Der Marxist sieht durch die aus seiner Sicht marktliberale und technokratische EU-Ordnung die Souveränität des Volkes bedroht. Ein großer Dorn im Auge ist Mélenchon der deutsch-französische Motor in der EU und damit das Sinnbild der Freundschaft zwischen Paris und Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Motor wird aus seiner Sicht einseitig von deutschen Interessen angetrieben. Am liebsten würde Mélenchon ihn sprengen, um die Europäischen Verträge komplett neu zu verhandeln.
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