M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: In der Knautschzone
Die AfD feiert Triumphe, und Polti-Podcaster machen Penis-Witze.
Unser Kolumnist Micky Beisenherz (selbst ein Podcaster) über Haltung in haltlosen Zeiten.
Jeder hat mal den Moment, wo es einfach reicht.
Duldsam nimmst du alles hin.
Nach außen gelassen, obwohl es unter dem Permafrost deiner Mimik bereits gewaltig gärt.
Dann aber spinnt an Kasse drei der Kartenleser – und du verlierst die Fassung.
Lässt den Zwieback, das Toilettenpapier und die gefrorenen Erbsen auf dem Kassenband liegen und haust einfach ab.
Kackladen! So in etwa könnte es Johanna Adorján gegangen sein, als ihr in der „Süddeutschen Zeitung“ vergangene Woche (sprach)mächtig der Kragen geplatzt ist.
Die Form, wie in erfolgreichen Newspodcasts die Vorgänge um die jüngsten AfD -Triumphe besprochen wurden, stieß ihr auf.
Besonders im Fokus: Boris Pistorius, der in Berlin mit einigen Sozialdemokraten zum historisch aufgeladenen Bebelplatz marschierte, dort auf eine Getränkekiste stieg und die Nationalhymne sang, um der braunen Welle etwas entgegenzusetzen.
Denn statt diese Tat als das zu werten, was sie wohl war, ein spontanes Signal gegen die scharfe Rechtsverschiebung in der politischen Tektonik, wurde das Ganze vom Experten im Podcast süffisant in den naiven Ritus der „Lichterketten“ gerückt.
Es wurde gemutmaßt, wie Pistorius das politisch nutzen könne.
Es gehört zum Wesenskern politischer Podcasts, dass die Moderierenden ein Thema einleiten, auf dass die Experten dazu etwas Erhellendes sagen mögen.
Das ist oft genug interessant.
5News hat diese Zusammenfassung aus dem öffentlichen Feed der Quelle übernommen. Der vollständige Artikel mit allen Details steht auf www.stern.de — der Inhalt gehört Stern.