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Arbeitgeber: „Längere Arbeitszeiten dürfen keine Tabuzone sein“

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Arbeitgeber: „Längere Arbeitszeiten dürfen keine Tabuzone sein“

Wir beide, Gewerkschaft und Arbeitgeber, können und müssen jetzt zeigen, dass wir als Tarifvertragsparteien gemeinsam handlungsfähig sind. Wir haben immer großen Wert darauf gelegt, dass man die Tarifautonomie, also unsere Verantwortung, ernst nimmt. Dazu gehört auch die Pflicht, selbst unter schwierigen Rahmenbedingungen Wege zu einer Lösung zu finden.

Ich bin überzeugt, dass uns gute Lösungen gelingen, wenn wir zu einer übereinstimmenden Wahrnehmung der wirtschaftlichen Ausgangslage kommen. Wir haben es mit einer ernsten Strukturkrise unserer Industrie zu tun und mit einer globalen Konkurrenz von Produktionsstandorten, in der auch Lohnkosten eine wesentliche Rolle spielen. Ich hoffe, dass die IG Metall dies anerkennt. Jedenfalls habe ich vor dieser schwierigen Tarifrunde den Eindruck, dass wir uns unserer Verantwortung auf beiden Seiten bewusst sind.

Ich beschreibe die Lage in Baden-Württemberg. Hier sehen wir die Umbrüche in der Autoindustrie einschließlich der Zulieferer in aller Intensität. Allein rund 140.000 Beschäftigte arbeiten am Antriebsstrang, sind also vom Umstieg auf den Elektroantrieb direkt betroffen, für den die EU das Jahr 2035 als festes Enddatum setzt. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts zeigt: Allein hier in Baden-Württemberg droht bis 2040 damit ein Wertschöpfungsverlust von 12,7 Milliarden Euro, es könnten bis zu 100.000 Arbeitsplätze wegfallen. Das ist die Situation, mit der wir tarifpolitisch umzugehen haben. Wir brauchen Kostensenkung, um den Produktionsstandort zu stabilisieren.

Mag sein, dass bundesweite Zahlen aus der Umfrage an einigen Stellen etwas anders aussehen als die regionale Auswertung für Baden-Württemberg. Mir ist daran vor allem dies aufgefallen: Für die Beschäftigten und Betriebsräte unserer Mitgliedsunternehmen steht gerade nicht die Frage im Vordergrund, wie hoch Lohnerhöhungen ausfallen. Es ist vielmehr die Frage, wie wir Arbeitsplätze und Beschäftigungsstrukturen so absichern können, dass sie eine Zukunft haben.

Wenn wir Beschäftigung nicht gefährden, sondern sichern wollen, gibt es einen klaren ökonomischen Maßstab dafür: Lohnerhöhungen müssen sich in einem Rahmen bewegen, der vom Produktivitätsfortschritt in unserer Industrie gedeckt ist. Diese Größe zeigt an, was zusätzlich erwirtschaftet wird und was damit für Lohnerhöhungen zur Verfügung steht, ohne die Unternehmen zusätzlich zu belasten. Leider ist es so, dass wir seit 2019 keinen Produktivitätsfortschritt mehr hatten. Die Auslastung der Betriebe ist gesunken, und das hat auch auf die Effizienz unserer Fertigungsprozesse gedrückt.

In den vergangenen Jahren haben wir die Löhne trotzdem erhöht, auch um unsere Beschäftigten nicht mit den Belastungen der Inflation alleinzulassen. Auch wenn dies nicht Aufgabe der Tarifvertragsparteien ist. Aber wenn man es ganz nüchtern sieht, hat auch diese Entwicklung dazu beigetragen, dass fast jeder zehnte unserer bundesweit im Jahr 2019 mehr als vier Millionen Arbeitsplätze weggefallen ist.

Das wird eine der ganz schwierigen Fragen in dieser Tarifrunde sein. Tatsache ist, dass die Inflation nicht nur unsere Mitarbeiter belastet, sondern auch die Unternehmen, die ja auch stark unter Druck stehen.

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