Wärmeres Meerwasser schmilzt Gletscher - Grönland und Antarktis verlieren immer mehr Eis
Grönland und die Antarktis haben zwischen 1979 und 2023 rund 12,5 Billionen Tonnen Eis verloren – eine Menge, die hypothetisch die gesamten kontinentalen USA mit einer 1,50 Meter dicken Eisschicht bedecken könnte. Der Meeresspiegel stieg dadurch im genannten Zeitraum um etwa 3,1 Zentimeter. Für jeden Zentimeter Anstieg könnten 2 bis 3 Millionen Menschen jährlich von Überflutungen betroffen sein.
Der Eisverlust wird laut der „ CNN Brasil “ nicht nur durch steigende Lufttemperaturen verursacht. Vor allem wärmeres Meerwasser schmilzt die Gletscher von den Seiten und von unten – dieser Prozess macht fünf Sechstel der Eismassenreduktion aus und lässt Gletscher abbrechen und Richtung Ozean vorrücken.
Die Forscher kompilierten Daten über 44 Jahre aus Satellitenbeobachtungen verschiedener Missionen, darunter Nasa-Missionen. Die Analyse kombinierte Daten aus 45 unabhängigen Erhebungen von 27 Satelliten. Ines Otosaka, Eisforscherin an der Northumbria University und Autorin der Studie, warnte vor dramatischen Folgen des Eisverlustes.
In den 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahren waren die Eisschilde noch relativ stabil. In den 2010er-Jahren gab es dann einen deutlichen Anstieg der Schmelze. Zwischen 2020 und 2023 zeigten die Daten zwar eine Stabilisierung, doch Forscher warnen: Dies könnte durch kurzfristige Klimaschwankungen beeinflusst sein und keine langfristige Veränderung darstellen.
In Grönland zieht sich der Jakobshavn-Gletscher, ein bedeutender Eisberg-Produzent, um bis zu 50 Meter pro Tag zurück. Eisverlust aus diesen Regionen ist nicht der einzige Faktor für den Anstieg des Meeresspiegels – auch die thermische Ausdehnung des Wassers und das Schmelzen anderer Gletscher spielen eine Rolle. Erst Anfang August brach erneut ein gigantisches Stück vom Petermann-Gletscher ab – die Eisinsel hatte eine Fläche von etwa 76 Quadratkilometern.
Erst kürzlich hatten Forscher über seine überraschende Entwicklung in der Antarktis berichtet: Zwischen Juli 2021 und April 2023 habe der Kontinent rund 695 Milliarden Tonnen Eismasse hinzugewonnen – der größte Massezuwachs in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Hauptursache war demnach extremer Schneefall in der Ostantarktis, ausgelöst durch ungewöhnlich warme Meerestemperaturen vor Indonesien, die durchschnittlich 0,5 Grad Celsius über dem Normalwert lagen. Die erwärmte Atmosphäre wirkte sich schließlich auf den Niederschlag in der Antarktis aus.
Die Forscher warnten jedoch vor falschen Schlüssen: Die Westantarktis verlor im selben Zeitraum weiter an Eismasse, und der langfristige Trend bleibt negativ – zwischen 2003 und 2024 verlor die Antarktis im Schnitt rund 140,5 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr. Der überraschende Zuwachs sei vor allem Ausdruck einer natürlichen, etwa einmal pro Jahrzehnt auftretenden Klimaschwankung und keine dauerhafte Trendwende.
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