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Neurowissenschaftlerin: Bryan Johnsons Magen zerstört sich, mit Folgen fürs Gehirn

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Neurowissenschaftlerin: Bryan Johnsons Magen zerstört sich, mit Folgen fürs Gehirn

Der US-amerikanische Tech-Millionär Bryan Johnson investiert Millionen, um den Tod zu besiegen. Und er misst ziemlich viel: Schlaf, Körpertemperatur, Körperfett, Blutwerte, biologisches Alter. Vermutlich gibt es wenige Menschen, deren Körper so gründlich durchleuchtet wird wie seiner. Nur sein Magen hatte offenbar kein Dashboard.

Bei dem 49-jährigen Longevity-Unternehmer wurde eine Autoimmungastritis diagnostiziert . Johnson selbst formulierte es drastischer: Sein Magen „esse sich selbst auf“. Ganz stimmt das nicht: Bei einer Autoimmungastritis richtet sich das Immunsystem gegen Zellen der Magenschleimhaut und zerstört sie nach und nach. Was zunächst nach einer Erkrankung des Verdauungssystems klingt, kann jedoch Folgen haben, die bis ins Gehirn reichen.

Dr. Teresa Cramer ist Neurowissenschaftlerin und forscht am Picower Institute des MIT. Sie ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle .

Eigentlich sollen Immunzellen Eindringlinge wie Viren oder Bakterien bekämpfen. Bei Autoimmungastritis verwechseln sie Freund und Feind und greifen die eigenen Belegzellen an – „Friendly Fire“. Diese Zellen produzieren Magensäure und den Intrinsic Factor. Dieser bindet Vitamin B12 im Verdauungstrakt und ermöglicht dessen Aufnahme im Dünndarm. Ohne ihn gelangt das Vitamin kaum in den Körper.

Deshalb kann eine fortgeschrittene Autoimmungastritis langfristig zu einem Vitamin-B12-Mangel führen. Und B12 ist für Nervenzellen keine Wellness-Zugabe: Es wird für Stoffwechselprozesse benötigt, die unter anderem die Myelinscheiden erhalten – die isolierende Hülle der Nervenfasern, die schnelle Signalweiterleitung ermöglicht. Fehlt B12 über längere Zeit, kann diese Isolierung leiden. Aus einem Magenproblem wird so ein Problem der Informationsübertragung im Nervensystem.

Bei einem ausgeprägten, lang anhaltenden Mangel können Gedächtnis und Koordination leiden, das Gangbild unsicher werden. In schweren Fällen drohen Schäden am Rückenmark oder sogar am Sehnerv.

Wichtig ist die Unterscheidung: Es gibt keinen Hinweis, dass Johnson all diese Probleme hat. Eine Erkrankung, die einen B12-Mangel verursachen kann, ist nicht dasselbe wie ein schwerer Mangel oder neurologische Schäden. Interessant ist, wie unauffällig der Weg dorthin verlaufen kann.

Johnson berichtet, seine Ferritinwerte – ein Maß für die Eisenspeicher – seien seit über einem Jahrzehnt niedrig gewesen. Eine Autoimmungastritis erschwert durch den Säureverlust auch die Eisenaufnahme. Eisenmangel tritt dabei häufig früher auf als ein ausgeprägter B12-Mangel, was die Erkrankung leicht übersehbar macht. Johnson hatte niedrige Eisenspeicher, aber normale Hämoglobinwerte – war also nicht klassisch anämisch.

Der Körper wartet aber nicht auf ein Lehrbuchkriterium, bevor er reagiert: Neurologische Symptome eines Vitamin-B12-Mangels können auftreten, bevor sich die typische Blutarmut zeigt . Ein normales Blutbild ist deshalb kein Freispruch fürs Nervensystem. Auch Eisen selbst ist fürs Gehirn wichtig – für Energiestoffwechsel, Botenstoffe und Myelinisierung.

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