Müll potenziell tödlich: Freiwillige tauchen in der Nordsee nach gefährlichen Netzen
Spätestens seit dem Buckelwal-Drama im Frühjahr ist vielen Menschen bewusst: In Nord- und Ostsee treiben Netze ihr Unwesen, die für viele Tiere den sicheren Tod bedeuten. Einige mutige Taucher machen sich auf den Weg in die Tiefe, diese Gefahren zu beseitigen.
Als der Kutter "Möwe" und wenig später zwei Schlauchboote den Hafen von Bensersiel in Ostfriesland Richtung Nordsee verlassen, wissen die Taucher an Bord noch nicht, was sie auf dem Meer erwartet. An dem Schiffswrack, das die Taucher vom Verein Ghost Diving Germany ansteuern, waren sie noch nie. Dabei interessiert sie weniger das alte Frachtschiff, sondern vielmehr, was dort unten in gut 20 Metern Tiefe "herumgeistert".
"Wir fahren raus, um Geisternetze zu bergen", erklärt Kai Wallasch, erster Vorsitzender von Ghost Diving Germany. "Wir können von sehr kleinen Stücken, die wir freischneiden, bis zu einem ganz großen Schleppnetz alles finden." Geisternetze sind verloren gegangene Fischernetze, die durch die Meere treiben und sich an Wracks verfangen oder am Boden absetzen. Dort fischten sie jahrelang weiter, sagt Wallasch. Die Kunststofffasern zerbröselten unweigerlich mit der Zeit zu Mikroplastik, das in die Nahrungskette gelange.
Für Meereslebewesen wie Fische, Robben und Krebse können solche Netze zu einer tödlichen Falle werden, wenn sie sich darin verfangen. Ein "unendlicher Kreislauf des Sterbens" sei das, sagt der 54-Jährige. Auch der Timmy genannte Buckelwal, der im Frühjahr mehrfach vor der deutschen Ostseeküste gestrandet war, hatte zeitweise mit einem Netz im Maul zu kämpfen.
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