Berlin Tag & Macht: Lorenzo Klingbeillini und das Sommerhaus der Politstars
Das große Sommerinterview mit Lars Klingbeil zeigt: Die SPD hat nicht nur ein Umfrageproblem, sondern vor allem ein Problem damit, zu erklären, wofür man sie überhaupt noch braucht.
Es gibt Fernsehformate, bei denen bereits der Name liebgewonnene Schlüsselreaktionen hervorruft. "Sommerinterview" zum Beispiel. Das klingt nach von annähernd royalem Glamour umschmeichelter Symbiose journalistischen Hochadels mit politischem Hochamt. Ansatzlos "Gala"-fähig inszeniert vor dem Bühnenbild einer nach floraler Opulenz duftenden Parkanlage: dezente Note von Bergamotte, kräftiges Feigenblatt, blühender Jasmin, reifer Lavendel, mediterrane Zypressen, weißer Moschus plus kalter Argumentationsschweiß deutscher Spitzenpolitiker.
Allerdings stehen dabei nicht abgehalfterte Ex-Promis, die sich inzwischen in die Schmuckdesignerzunft gerettet haben, im Fokus, sondern Parteichefs, Minister und Kanzler. Sommerhaus der Politstars. Erschwerte diskurs-klimatische Bedingungen. Reichstag statt Dschungelcamp. Knallhart nachgefragt statt Kuschelkurs. Den Markus-Lanz-Gedächtnis-Finger stets im Anflug auf die Krisen-Wunde. Eine investigativ modulierte Abkehr von staatsmännischen Gedanken hin zu einem sogenannten Real Talk vor pittoreskem Gewässer. Inhaltsdekorativ im Ambiente eines beinahe mediterranen Bundesgartenschau-Szenarios. So botanisch bunt hochgeforstet, dass der durchschnittliche US-Collegeabsolvent tippen würde: Das müsste der Präsident von Italien sein!
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