BILD fährt im Semi-Truck - Teslas Sattelschlepper: Mächtig gewaltig, aber flüsterleise
Noch sind elektrische Lkw auf deutschen Straßen rar, doch hohe Dieselpreise und günstigere Wartungskosten machen den Weg frei für elektrische Brummis. Jetzt kommt der Tesla-Sattelschlepper Semi nach Europa. AUTO BILD hatte die Gelegenheit, in einem der ersten Vorserienfahrzeuge auf der IAA Transportation 2026 eine Runde mitzufahren.
Endlich wurde auch der Marktstart des Tesla-Trucks in Europa angekündigt – seit neun Jahren schon ist der Semi im Gespräch – nun wird aus einem der ältesten Tesla-Versprechen tatsächlich ein Auto für die Straße.
Tür auf, zwei Stufen hoch – und rein in eine erstaunlich luftige Kabine. Platz wäre locker für fünf Personen, eingebaut sind aber nur zwei Sitze. Nach dem Lösen der Druckluftbremse rollt der Tesla Semi fast lautlos los. Nur ein leises elektrisches Summen ist zu hören, dazu das Rumpeln über den unebenen Messeboden. Auf glatter Straße dürfte sich der Truck deutlich souveräner anfühlen.
Dann zeigt der Semi, was in ihm steckt: Auf der Geraden beschleunigt der schwere Sattelzug kraftvoll bis Tempo 80. Trotz der Masse wirkt der Antritt spontan. Beim Abbiegen hilft der „Blind Spot Assistant“: Eine Seitenkamera zeigt auf einem der beiden Displays neben dem Lenkrad, was im toten Winkel passiert. Schon nach wenigen Minuten wirkt die fast geräuschlose Fahrt erstaunlich normal.
Der 9,1 Tonnen schwere Semi wird von drei Elektromotoren an den Hinterachsen angetrieben. Zusammen leisten sie maximal 800 kW, also 1088 PS. Das zulässige Gesamtzuggewicht liegt bei 40 Tonnen. Tesla plant eine Standard- und eine Long-Range-Version. Die Akkukapazität nennt der Hersteller wie immer nicht, die Reichweite soll bis zu 550 Kilometer betragen. Auch der Verbrauch ist noch nicht offiziell zertifiziert – Tesla rechnet mit rund 100 kWh pro 100 Kilometer.
Geladen wird dafür besonders schnell: Innerhalb von 30 Minuten soll der Akku wieder auf 60 Prozent kommen, zunächst mit bis zu 800 kW. Teslas Megacharger-Technik ist perspektivisch sogar für bis zu 1,2 Megawatt ausgelegt. Damit sollen die Standzeiten möglichst kurz bleiben.
Vorgestellt wurde der Semi bereits 2017, doch der Marktstart verzögerte sich mehrfach. Inzwischen läuft in Sparks im US-Bundesstaat Nevada die Fertigung an. Dort sollen später auch die Fahrzeuge für Europa entstehen. Erste Auslieferungen sind für 2027 geplant. Die auf der IAA Transportation gezeigten Trucks stammen aus der Vorserie.
In Deutschland trifft der Semi auf immer mehr Konkurrenz: Volvo, Mercedes-Benz und andere Hersteller bringen schwere E-Lkw mit 500 bis 700 Kilometern Reichweite auf den Markt. Auch China-Trucks sind groß im Kommen. Der Elektro-Fernverkehr wird vom Zukunftsversprechen zur echten Option für Speditionen.
AUTO BILD-Fazit: Der Vorserien-Lkw macht bei der ersten Mitfahrt schon einen reifen Eindruck. Wird der Tesla-Truck den Härtetest im Alltag bestehen? Bereit scheint er zu sein.
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