Ökonomin: Sitzen auf einem Datenschatz
Ulrike Malmendier sieht "enorme Chancen" für Deutschland bei industrieller KI. Dafür brauche es Rechenkapazitäten und zukunftsorientierte Investitionen, sagt die Ökonomin.
Die Bundesregierung will Deutschland zum Vorreiter für industrielle KI machen. Dabei soll der US-Technologiekonzern Nvidia helfen. Auf der Konferenz "Invest in Germany" am Montagabend in Berlin haben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Nvidia-Chef Jensen Huang eine Zusammenarbeit bekanntgegeben: Nvidia will seine Kooperation mit deutschen Partnern ausbauen, künftig auch kleinere und mittlere Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen mit KI-Modellen versorgen.
Die Ökonomin Ulrike Malmendier sieht gute Voraussetzungen für die deutsche Industrie bei der KI-Transformation - und lobt den Vorstoß der Bundesregierung.
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Deutschlands Stärke liegt nach Ansicht der Ökonomin Ulrike Malmendier in seiner industriellen Erfahrung. "Wir sitzen nämlich auf dem Datenschatz, auf den industriellen Daten, die wir als Industrienation seit Jahrzehnten angesammelt haben", sagt sie. Mit diesen Daten ließen sich KI-Modelle trainieren, um Produktion, Planung und Reparaturen zu verbessern. Deutschland befinde sich dadurch in einer "wirklich einzigartigen Wettbewerbssituation".
...lehrt als Professorin für Finanzmarktökonomik an der University of California in Berkeley/USA. Von August 2022 bis Februar 2026 gehörte sie zu den fünf "Wirtschaftsweisen", dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, zu der das Gremium jährlich einen Bericht verfasst.
Sie erlaube es, "Modelle zu entwickeln, die nirgendwo anders entwickelt werden können". Doch dabei müsse sich die deutsche Industrie beeilen. "Insofern ist es gut, dass jetzt der Anstoß kommt", so Malmendier.
In einer weiteren Sache könnte Deutschland einen Vorteil haben: Eine der größten Sorgen KI-orientierter Tech-Firmen in den USA sei zurzeit, "dass sie nicht genügend Rechenkapazität haben, gerade mit den Grafikprozessoren", so Malmendier. Genau diesen Engpass wolle die Bundesregierung für die deutsche Industrie beseitigen. Damit würde sie eines der größten Wachstumshemmnisse aus dem Weg räumen.
Einen direkten Deal mit Nvidia zu schließen und dort Kapazitäten zu suchen, sei sehr hilfreich und zugleich ein wichtiges Signal, erklärt sie. "Ich glaube, das ist genau der Anschub, den wir jetzt brauchen, um in dem Bereich industrielle KI ganz vorne mitzumachen", sagt die Ökonomin.
Die Hoffnung, bei der Entwicklung allgemeiner künstlicher Intelligenz mit den USA und China gleichzuziehen, hält Malmendier allerdings dennoch für "etwas illusorisch". Im weltweiten Rennen lägen die beiden Staaten an der Spitze.
Eine Chance für Deutschland sieht Malmendier in einem leichter zugänglichen europäischen Markt.
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