News: Sprache der AfD, Wahl in Schweden, Neubewertung des Philosophen Diderot
Seit einiger Zeit bin ich auf TikTok. Die Clips, die man dort zu sehen bekommt, sind mitunter unterhaltsam, häufig aber düster. Den Wahlkampf von Ulrich Siegmund habe ich beobachtet wie ein gefährliches Experiment, das vor aller Augen gelingt. Kaum jemand vermittelt menschenverachtende Botschaften mit einem solchen Lächeln auf den Lippen wie der Rechtsextremist aus Sachsen-Anhalt.
Das jüngste Beispiel liefert Siegmunds Satz über »Rüstungsgüter« für »Remigrations- und Abschiebeoffensiven« (mehr dazu hier ). Doch entscheidend ist nicht allein diese neue Provokation. Sie steht in einer langen Reihe von Versuchen, die Grenzen des Sagbaren zu verschieben.
Schon der vom NS-Regime verfolgte Philologe Victor Klemperer warnte vor der schleichenden Wirkung ideologisch aufgeladener Sprache. »Worte können sein wie winzige Arsendosen«, schrieb er, »sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da«.
Wir erleben seit Jahren, wie die AfD das Land häppchenweise vergiftet, darunter auch Siegmunds Landtagsfraktion. Ein Abgeordneter sagte über Gefängnisstrafen für Homosexuelle: »Das sollten wir in Deutschland auch machen!« Ein anderer sprach von »Wölfen an der Schule« – gemeint waren Kinder mit Migrationsgeschichte – und nannte die Erinnerung an den Nationalsozialismus einen seit 80 Jahren »wachgehaltenen« Schuldkomplex.
Sollte die AfD in Sachsen-Anhalt an die Macht kommen, wird sie ihr Gift in noch größeren Dosen verabreichen. Der Erfolg Siegmunds zeigt, wie wirksam diese Methode sein kann. Es bleibt zu hoffen, dass die demokratischen Institutionen und die Zivilgesellschaft der schleichenden Normalisierung rechtsextremer Sprache und Politik widerstehen.
Mehr zum Thema im Kommentar: Auf die Entzauberung der AfD sollten Sie nicht hoffen
Wo wir gerade bei Rechtsextremen sind: Am Sonntag wird in Schweden gewählt. Jimmie Åkesson, der Chef der Schwedendemokraten, könnte zum großen Gewinner werden. Mein Kollege Jan Petter berichtet aus dem schwedischen Kalmar von einem Wahlkampf mit Süßigkeiten und Schlager. Dazu fährt ein Reisebus mit Åkessons Konterfei vor.
Dann folgt die Angstpolitik. Åkesson spricht von einer angeblichen »Vergewaltigungsepidemie«. Zuwanderer erhielten einen Strafrabatt: »Bei der dritten Vergewaltigung bekommst du 83 Prozent Nachlass«.
Die Schwedendemokraten stützen seit 2022 die bürgerliche Regierung von Ministerpräsident Ulf Kristersson. Sie haben starken Einfluss auf Schwedens Migrations- und Sicherheitspolitik. Die Wahl gilt als eng, das Mitte-links-Lager lag zuletzt in Umfragen knapp vorn. Jans Reportage zeigt, wie eine Partei mit Wurzeln im rechtsextremen Milieu das Land verändert, ohne bislang selbst formell mitzuregieren.
Die ganze Geschichte hier: Die Schwedendemokraten greifen nach der Macht
Der französische Philosoph Denis Diderot (1713–1784) gilt als großer Gegner von Sklaverei und Kolonialismus. Doch neue Forschung aus Trier stellt diesen Heldenmythos infrage, wie mein Kollege Martin Pfaffenzeller berichtet.
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