Trotz Ferienzeit - Umsatz bei deutschen Freizeitparks eingebrochen
Berlin – Achterbahn, Karussell und Riesenrad. Freizeitparks boomen in Deutschland. Ein Milliardengeschäft, das rund 75 Millionen Besucher jährlich glücklich macht. Doch in diesem Sommer verzeichnen die Parks Rückgänge.
Grund für den Einbruch soll die heftige Hitzewelle sein. Der Verband Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen (VDFU) in Berlin spricht von „extremen Belastungen für die Betreiber“, die hohe Einbußen für das so wichtige Sommergeschäft der Freizeitparks bedeuteten.
VDFU-Geschäftsführer Jürgen Gevers (49) zu BILD: „Wir rechnen mit einem zweistelligen Minus, das nicht selten 20 Prozent erreicht.“ Das Geschäft sei generell vom Wetter abhängig, aber bei extremen Hitzewellen wie zuletzt mitten in den Sommerferien gehen natürlich kaum noch Leute in die Parks. Das bestätigt Fabrizio Sepe (56), Besitzer des Serengeti Parks in Hodenhagen (Niedersachsen): „Alles über 30 Grad ist Gift für unser Geschäft. Letzten Samstag lagen wir bei über 35 Grad. 20 Prozent Minus haben wir locker erreicht“, sagt er zu BILD.
Die schmerzlich fehlenden Besucher sind das eine, die durch die Hitze steigenden Kosten das andere, so der Verband. „Der Verbrauch an Energie, aber z. B. auch an Wasser schnellt bei derart langen Hitzewellen in die Höhe. Viele unserer Mitglieder ächzen über explodierende Kosten für die Pflege ihrer Anlagen.“ Bäume und Pflanzen würden leiden und müssten bewässert werden.
„Sie kriegen sofort Druck von allen Seiten. Die einen sagen, pflegt bitte mal euren Park. Die anderen sind entsetzt, wenn wir wässern“, sagt Matthias Mölter (42) vom Freizeitpark Geiselwind, einem der größten Familienunternehmen in Bayern. Büsche und Hecken sähen schlimm aus. Die Hitzewelle habe sehr geschadet. Mölter zu BILD: „Als Unternehmer und Eigentümer gehe ich jedes Jahr mit Investitionen von bis zu 10 Millionen alleine ins Risiko, Wetterextreme inklusive.“ Alleine der neue Dark Ride „Ravemoore“ habe über vier Millionen gekostet.
Sein Freizeitpark habe 2024 und 2025 gute Jahre gehabt. 2025 habe aber wegen gestiegener Kosten fast 40 Prozent weniger Gewinn eingebracht. Matthias Mölter: „Sämtliche Kosten für Wartung, Instandhaltung, Wareneinkauf, aber auch Bürokratie, sind nochmal drastisch gestiegen.“
Die dramatisch ansteigenden Kosten belasten auch den Freizeitpark Plohn in Sachsen, der in 30 Jahren viele Höhen und Tiefen erlebt hat. Geschäftsführer und Eigentümer Jan Völkel (45): „Die Schmerzgrenze ist erreicht. Wir sind für Familien da, können nicht ewig diese Preissteigerungen weitergeben.“
Der Verband fordert, die Mehrwertsteuer auf Ticketpreise zu senken. Verbandschef Jürgen Gevers zu BILD: „Wir sind die einzige Freizeitbranche in Deutschland , die die volle Mehrwertsteuer von 19 Prozent zahlt. Selbst auf dem Hamburger Dom oder dem Oktoberfest werden nur 7 Prozent fällig.“
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