Kita-Krise: Warum es trotz sinkender Kinderzahlen weiter Probleme gibt
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Noch vor ein paar Jahren war es üblich, dass Eltern sich kurz nach dem positiven Schwangerschaftstest auf die Warteliste der Wunsch-Kita setzen ließen. Heute schließen immer mehr Betreuungseinrichtungen, weil es zu wenig Kinder gibt, vor allem in Ostdeutschland, aber auch anderswo.
Nur lösen sich durch die sinkenden Kinderzahlen nicht die strukturellen Probleme in der Betreuung der Kleinsten, sondern werden eher regional noch verschärft. So steht es im Kita-Bericht 2026, für den der Paritätische Gesamtverband Daten von mehr als 3200 Einrichtungen erfasst hat. Dieses zentrale Ergebnis widerspreche einer Erzählung, die sich derzeit in vielen Debatten festsetze, schreiben die Studienautoren des Sozialverbands.
»Wir stehen an einem Wendepunkt in der demografischen Entwicklung. Wir müssen an manchen Orten Kitaplätze abbauen und trotzdem an anderen Orten neue Plätze schaffen«, sagte Niels Espenhorst, Referent für Kindertageseinrichtungen beim Paritätischen Gesamtverband, dem SPIEGEL. Selbst innerhalb einer Stadt könne sich die Situation teilweise gravierend unterscheiden, weil die Familien nah an ihrem Wohnort suchen würden.
Dabei verfüge Deutschland aktuell über so viele freie Betreuungsplätze wie nie zuvor. Bundesweit sind laut Kinder- und Jugendhilfestatistik mehr als 550.000 Plätze ungenutzt. Die Gründe dafür seien regional unterschiedlich: In Ostdeutschland blieben Plätze vor allem wegen sinkender Kinderzahlen frei. In vielen westdeutschen Regionen verhindere dagegen der Fachkräftemangel die Nutzung vorhandener Kapazitäten. Personalmangel sei vielerorts zum Dauerzustand geworden. Bundesweit würden rund 107.000 pädagogische Mitarbeitende fehlen, schreibt der Sozialverband in seinem Kita-Bericht. Hochgerechnet waren rund 49.000 Stellen aufgrund fehlender Fachkräfte unbesetzt. Weitere 58.000 Stellen fielen zum Zeitpunkt der Befragung durch längere Abwesenheiten aus.
Das macht sich auch für die Familien bemerkbar. 51,5 Prozent der Kitas , die an der Befragung teilnahmen, mussten in den vier vorangegangenen Wochen die Betreuung zeitweise einschränken, heißt es in dem Bericht. Eltern wurden also wegen fehlenden Personals gebeten, ihre Kinder nicht in die Einrichtung zu bringen oder früher abzuholen. In 28,2 Prozent der Kitas seien solche Maßnahmen sogar mehrfach erforderlich gewesen. »Da setzt sich für Eltern und Fachkräfte die Wahrnehmung fest, dass wir nach der Pandemie nie aus dem Krisenmodus rausgekommen sind«, sagte Studienautor Espenhorst. Dabei bräuchten gerade Familien Planungssicherheit und Verlässlichkeit.
Für den Kita-Bericht 2026 hat der Paritätische Gesamtverband die Daten von 3267 Einrichtungen erfasst. Die Erhebung fand in Form einer Onlineumfrage statt. Drei Viertel der teilnehmenden Personen waren Kita-Leitungen. Bei der Umfrage handelt es sich nicht um eine Zufallsstichprobe. Insgesamt wurden bundesweit 5,4 Prozent aller Einrichtungen erfasst.
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